Mittwoch, 22. Oktober 2025

Nachruf auf NS-Opfer P. Titus Maria Horten O.P.


Der Dominikanerpater Titus Horten war eines der frühen Opfer der nationalsozialistischen Kirchenverfolgung. Nach einem „Devisenprozess“ wurde er inhaftiert und starb kurz nach seiner Entlassung im Januar 1936. Er war der Generalprokurator der Chinamission der deutschen Dominikaner und zeichnete sich durch besonderen Missionseifer aus. Sein Seligsprechungsprozess ist eingeleitet und sein heroischer Tugendgrad wurde bereits festgestellt. Hier ein Nachruf aus der Zeitschrift Priester und Mission aus dem Jahr 1936:

Am 25. Januar 1936 wurde P. Dr. Titus M. Horten, Generalprokurator der Chinamission der Dominikaner, kaum 50 Jahre alt, in die Ewigkeit abberufen. Erst mit 27 Jahren – nach Vollendung des juristischen und sprachwissenschaftlichen Studiums – trat er in den Dominikanerorden ein und empfing 1915 zu Rom die heilige Priesterweihe. Fast 20 Jahre wirkte er in der Niederlassung des Ordens zu Vechta. Einen großen Teil seiner Lebensarbeit widmete er der Chinamission der deutschen Ordensprovinz. Wie ein Vater sorgte er in der Heimat für diejenigen, die an der Front des Reiches Gottes kämpften. Fast sein ganzes Vermögen in Höhe von 140.000 Mark stiftete er vor Erreichung des Priestertums für soziale Zwecke. Vielen unbemittelten Studenten eröffnete er den Weg zum Priestertum sowie zu Stellungen im Staatsdienst und im gewerblichen Leben.

Von seiner idealen Auffassung der Missionsarbeit zeugen einige der letzten Worte, die er vor seinem Tode niederschrieb und die uns allen etwas zu sagen haben, das sie in schwerster Prüfungsstunde verfasst wurden [wohl in der NS-Haft]: „Arbeit, Liebe, Opfer für die Missionen muss beständig die Heiligung unseres ganzen Lebens bewirken, erhalten und fördern! Was sind wir dann reich, freudig, gnadenvoll! Kinder unseres himmlischen Vaters, der uns ernährt mit dem Brot seines heiligen Evangeliums. Sind wir so nicht die Reichsten, die immer spenden können, unvergängliche, göttliche Schätze, die kein Rost und keine Motten zernagen? Welches Glück, das Missionsideal zu schauen und an sich täglich mehr verwirklichen zu dürfen! Jeder kann Missionsförderer sein: die Ärmsten sind die Berufensten, die Kranken die Bevorzugten. Heiligkeit des christlichen Lebens, starke lebensvolle Glieder am mystischen Leibe Christi, engste Verbindung mit dem Haupte Christus, getrieben von seinem Heiligen Geiste und durchflutet von seinem Erlöserblut, im Herzen ein Heiligtum der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Hier können wir stillschweigend anbeten, hier gewinnen wir neue Kraft zu vollerer Hingabe. Wir kennen kein Nachlassen; denn Christi Fleisch und Blut sind unsere tägliche Stärkung und wahre Wegzehrung.“ – Und zum Schlusse ruft er noch einmal auf „zur Besinnung, Vertiefung und Verinnerlichung der Missionsarbeit und damit zur Verwirklichung des Heilandswortes an uns selbst: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber an seiner Seele Schaden leidet!“ (Matth. 6, 26) „Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und alles andere wird euch hinzugegeben werden.“ (Matth. 6 22)

Sonntag, 1. Dezember 2019

Der Kreuzweg der Steyler Missionsgesellschaft (Teil 3)

Bild zum Seligsprechungsverfahren der polnischen SVD-Märtyrer, in der Mitte St. Arnold Janssen (Quelle: http://www.seminarium.org.pl/meczennicy/eng/index.html)


Nicht zuletzt sei die direkte Verfolgung der Mitglieder der SVD zu nennen. Wie so viele katholische Priester waren auch die Steyler Missionare nicht sicher vor den zahlreichen Gestapo-Spitzeln, die zu dieser Zeit unter Deutschlands Kanzeln saßen und die unliebsamen Äußerungen meldeten.
Es folgten Geldbußen, Predigtverbote, Verhöre, zeitweise Inhaftierung. Insgesamt 27 Steyler starben in Konzentrationslagern, darunter aus den deutschen Provinzen der heiligmäßige P. Franz Riepe, der die geheime Verbreitung des Hirtenbriefes der holländischen Bischöfe gegen die Judenverfolgung unterstützt hatte und von einem Weltpriester verraten wurde, sowie Frater Karl Hilferding, jüdischer Konvertit und Sohn des ehemaligen sozialistischen Finanzministers. Im Rahmen der Ardennenoffensive wurde P. Leonhard Küppers in der Eifel von SS-Männern erschossen.

Vier polnische SVD-Mitglieder, die zum Teil auf brutalste Weise im KZ ermordet wurden, wurden bereits seliggesprochen, für weitere läuft der Seligsprechungsprozess.

Nicht zuletzt haben weitere Faktoren wie der Kriegseinsatz unzähliger Ordensleute dazu beigetragen, dass nach Einschätzungen des Generalkapitels von 1947 die Steyler Missionsgesellschaft 1000 Patres und 1000 Brüder weniger zählte, als sie ohne den Krieg in den Reihen gehabt hätte. Neben schweren Verwundungen war es auch das antireligiöse Wirken der Nazis unter den Truppen, das zum Verlust vieler Berufe führte.

(Quelle: 75 Jahre im Dienste des göttlichen Wortes, Steyler Missionsdruckerei 1950)

Dienstag, 19. November 2019

Der Kreuzweg der Steyler Missionsgesellschaft (Teil 2)

Rotationstiefdruck-Maschine in Steyl, im Krieg verschleppt, nachher zurückgewonnen


2. Vernichtung des Steyler Presseapostolats

Der Steyler Gründer erkannte in seinem Weitblick die große Bedeutung der katholischen Presse. Bereits bei der Eröffnung der Missionsdruckerei Steyl am 27. Januar 1876 sagte er: „In unseren Tagen ist die Presse eine Großmacht … Die Presse muss mit einem Schwerte verglichen werden, das man im Kampfe der Geister führt, und zwar soll durch die Presse die Sache des Guten gefördert werden.“

Die Nazis erkannten die große Gefahr, die die katholische Presse im weltanschaulichen Kampf bedeutete. Als die SS im Jahr 1941 das Mutterhaus im niederländischen Steyl besetzte, gaben sie der Missionsdruckerei den Namen „Hochburg der Katholischen Aktion“ – ein unabsichtlicher Ehrentitel.

Nach dem Einmarsch der Nazis in Holland im Jahr 1940 waren vorerst auch die Tage des Steyler Presseapostolats gezählt, nachdem im Reich bereits ab 1935 durch die „Anordnung zur Wahrung der Unabhängigkeit des Zeitungsverlagswesens“ viele katholische Zeitschriften und Zeitungen eingestellt werden mussten.
In besonderer Weise wurde die deutschsprachige katholische Presse getroffen, als nun auch noch die drei wichtigsten Steyler Schriften eingestellt wurden: der „Steyler Missionsbote“, die „Stadt Gottes“, die beliebteste Familienzeitschrift im katholischen Deutschland, und der „St.-Michaels-Kalender“. Auch alle kleineren Zeitschriften wurden verboten.

Nicht nur konnten die Zeitschriften nicht mehr erscheinen – die Missionsdruckerei Steyl wurde beschlagnahmt und stillgelegt. Die Druckmaschinen wurden verschleppt oder verkauft, konnten aber nach dem Krieg zurückgeholt werden.

Auch in Steyl hinterließ der Kampf des NS-Regimes gegen die katholische Presse bleibende Spuren: Der „Steyler Missionsbote“ wurde nach dem Krieg nicht erneut herausgegeben.

(Quelle: 75 Jahre im Dienste des göttlichen Wortes, Steyler Missionsdruckerei 1950)

Montag, 18. November 2019

Der Kreuzweg der Steyler Missionsgesellschaft (Teil 1)

Glasfenster im Missionshaus St. Augustin bei Bonn



Nach einer Facebook-Diskussion mit einem amerikanischen Katholiken, der die NS-Regierung als „ziemlich tolerante sozialistische Regierung“ bezeichnete, griff ich zur Festschrift „75 Jahre im Dienste des göttlichen Wortes“ der Gesellschaft des göttlichen Wortes (besser bekannt als Steyler Missionsgesellschaft). Die gnadenlose und systematische Verfolgung der vom hl. Arnold Janssen gegründeten Ordensgemeinschaft allein beweist schon zur Genüge, dass von „ziemlich tolerant“ hier keinerlei Rede sein kann.

1. Systematische Untergrabung der Nachwuchsausbildung

In den Schulen für den Ordensnachwuchs mussten Teile der nationalsozialistischen Ideologie in den Lehrplan aufgenommen werden. Auch wurde von Ordensschülern die Teilnahme an Schulungskursen und -lagern verlangt, die von Parteimännern geleitet wurden. Die Ordensschule St. Johann im württembergischen Blönried war die erste, die geschlossen wurde, und das bereits 1936/37, sprich deutlich vor den großen Klosterstürmen in den Jahren ab 1940.

Die Schule St. Adalbert in der ostpreußischen Gemeinde Mehlsack wurde im Mai 1937 Zeuge eines Großeinsatzes der Polizei, die mit 40 Mann angerückt war, um die Schüler dazu zu drängen, ihre priesterlichen Erzieher unsittlicher Handlungen zu bezichtigen. Nachdem sich kein Schüler für derartige Verleumdungen hergab, wurde die Schule zunächst von den Behörden schikaniert und am 27. August 1937 wurde die Unterrichtserlaubnis allen Ordensgeistlichen der Schule entzogen. Am 1. April 1938 erfolgte die Schließung mit der Begründung, dass „die erforderlichen Lehrkräfte an der Schule nicht vorhanden“ sein.

Weitere Opfer der NS-Schulpolitik in den Jahren 1938 und 1939, entweder durch direkte Schließung oder durch Auflagen, die dasselbe Ergebnis verfolgten, waren die Schulen in Steyl, St. Peter in Tischenreuth, St. Paul in Wengenrohr und St. Bruno in Deutsch Krone.

Die Schulen wurden von der Regierung zu verschiedenen Zwecken umgewidmet, St. Adalbert war beispielsweise 1939 Reservelazarett, bevor es im folgenden Jahr eine NS-Bildungsanstalt beherbergte.

Das Missionspriesterseminar St. Augustin bei Bonn wurde am 4. August 1941 „staatspolizeilich gesichert“, alle verbleibenden Insassen – 522 Söhne des Hauses waren schon zum Wehrdienst eingezogen worden – mussten gehen. Am 27. März 1942 wurde mitgeteilt, dass der Reichsminister des Innern „den Grundbesitz des Hauses mit dem vorhandenen lebenden und toten Inventar zugunsten des Reiches eingezogen habe, weil das Vermögen des Hauses volks- und staatsfeindlichen Zwecken gedient habe und die Bestrebungen der Insassen des vorgenannten Hauses volks- und staatsfeindlich gewesen sein.“

Sonntag, 4. September 2016

Der Überfall der SS auf die Kartause Farneta



In der Kartause Farneta in Lucca (Italien) fanden im August 1944 über 100 Flüchtlinge Schutz vor der 16. SS-Panzergrenadier-Division „Reichsführer SS“. Unter den Menschen befanden sich sowohl Juden als auch Italiener. Der Prior P. Martino Binz hatte zusammen mit dem Prokurator P. Gabriele Costa und dem Novizenmeister P. Pio Egger entschieden, das Kloster für die Flüchtlinge zu öffnen – entgegen der eigentlichen Kartäuserregel, die keine „Besucher“ vorsieht. Ausschlaggebend für den Schritt war die Erwägung „Was würden wir tun, wenn Jesus selbst vor der Tür stünde? Würden wir den Mut haben, Ihn in den Tod zu schicken?“.

P. Gabriele Costa OCart

Als die Mönche sich am Abend des 1. September in der Kapelle beim Chorgebet befanden, wurden sie von der SS überrascht. Es gelang den Nazis durch einen Trick, sich Zugang zum Kloster zu verschaffen. Der Soldat Eduard Florin, der bereits früher zu den Mönchen Kontakt gehabt hatte und vorgab, ein frommer Katholik zu sein, stand vor der Klosterpforte und behauptete, er wolle dem Prior ein Paket von seinem Kommandanten abgeben, da die Division sich auf dem Rückzug aus Lucca befände. Als die Tür geöffnet wurde, stürmten 20 deutsche Soldaten herein und besetzten das Kloster. Einigen der Aufgenommenen gelang die Flucht, während viele an die Klostermauern gestellt und erschossen wurden.

Nun mussten die Gefangenen, Mönche und Zivilisten, in LKW steigen und wurden zu einer leeren Lagerhalle in Nocchi bei Camaiore gefahren. Ein Überlebender, Vicenzo Rizzo, damals 18 Jahre alt, berichtete von den Folterungen, denen die Mönche unterzogen wurden. Die Nazis verspotteten die Ordensleute wegen ihres Glaubens. Pater Gabriele wurde mehrmals eine Flamme unter den Bart gehalten, doch der Mönch blickte seinen Folterer nur still an und dieser gab schließlich angesichts einer so unerwarteten Reaktion auf.

Dom Giovanni Abetini musste sein Brevier auf einem Brett zwischen seinen Armen balancieren, während er Stockschläge erhielt. Fiel das Buch herunter, musste er Faustschläge und Beleidigungen über sich ergehen lassen. Das Ganze ertrug Dom Giovanni mit einem Lächeln auf den Lippen.

Der Novizenmeister, P. Pio Egger, ermutigte die Gefangenen und sprach ihnen von dem Reich, das der König der Märtyrer seinen Getreuen bereitet hat. Genau wie der Pater Prior und der Pater Prokurator wurde er im Wald bei Nocchi erschossen.

Msgr. Salvador Montes de Oca (Quelle: S.J. Venezuela)

Einer der zwölf ermordeten Kartäuser war vor seinem Eintritt eine hohe kirchliche Persönlichkeit. Es handelt sich um Msgr. Salvador Montes de Oca, im Orden Pater Bernardo, emeritierter Bischof von Valencia in Venezuela, der als Bischof mutig der Staatsregierung in Sachen Ehescheidung widerstanden hatte. Er wurde im Jahr 1929 aus seinem Heimatland verbannt und war zur Zeit seines Todes Novize. Zusammen mit P. Martino Binz wurde er als erstes erschossen (7. September).

Unter den Ermordeten befanden sich sechs Priester, sechs Brüder und 48 Zivilisten. Obwohl die Mönche nach der Erschießung verscharrt wurden, konnten ihre Leichen geborgen und auf dem Klosterfriedhof bestattet werden. Für P. Bernardo (Msgr. Montes de Oca) wird von seiner Heimatdiözese der Seligsprechungsprozess angestrebt. Weitere Prozesse sind nicht bekannt, da der Kartäuserorden traditionell nicht die Heiligsprechung seiner Mitglieder anstrebt.


Der ehemalige SS-Mann Eduard Florin starb während des Prozesses, der im September 2004 in La Spezia wegen des Massakers gehalten wurde, in Deutschland im Alter von 94 Jahren. 

Die Interviews, die die Amerikaner mit den überlebenden Mönchen geführt haben, können hier gelesen werden. Laut Dom Giovanni Abetini sagte einer der Soldaten, es wäre nicht das erste Mal für ihn, einen Geistlichen zu töten.

(Quelle: EWTN, Wikipedia, SISSCO und andere)

Montag, 8. August 2016

Eine problematische Verallgemeinerung: Taufregisterauszüge und Judenverfolgung

(Quelle: Agibaer)

Der Holocaustforscher und Rabbiner Michael Berenbaum, der in der Vergangenheit bedeutende Positionen im United States Holocaust Memorial Museum (USHMM) inne hatte, bezeichnet das Dritte Reich in seinem Buch „The World Must Know“ als „genocidal state“, als völkermörderischen Staat. Als einen der Gründe dafür gibt er an, dass „Pfarrkirchen“ die Taufregister von Juden bereitgestellt haben:

„Every arm of the country's sophisticated bureaucracy was involved in the killing process. Parish churches and the Interior Ministry supplied birth records showing who was Jewish; (…)“

Leider ist dieses Zitat in der Form, in der es in dem bereits erwähnten Wikipedia-Artikel angegeben wird, sehr geeignet, die katholische Kirche in ein schlechtes Licht zu rücken, da keine Konfession angegeben wird. Andere Autoren haben dieses Zitat ohne weitere Differenzierung „recycelt“. Man kann sich ja denken, was die meisten Menschen unter einer „Pfarrkirche“ verstehen.

In einem weiteren Buch unter dem Titel „The Holocaust and History: The Known, the Unknown, the Disputed, and the Reexamined geht Berenbaum deutlicher darauf ein, um was für „Pfarrkirchen“ es sich handelt: Er nennt auf S. 126 nur die „protestantische Kirche“ in Berlin.

Dem sei nun der Widerstand der katholischen Kirche gegen derartige Nachforschungen zur ethnischen Herkunft ihrer Mitglieder gegenübergestellt. Msgr. Neuhäusler schreibt in „Kreuz und Hakenkreuz“:

„Ganz besonders verhasst war den Nationalsozialisten die Taufe von Juden. Des Öfteren wurden von den bischöflichen Ordinariaten Statistiken über Judentaufen, ja sogar Bekanntgabe der Namen solcher Täuflinge verlangt, eine Forderung, die freilich immer zurückgewiesen wurde.“

Er schildert dann einen Fall, in dem die Berliner Polizei sich Zugang zu zwei derartigen Taufscheinen der Pfarrkirche St. Matthias verschafft hatte, die dann an den „Stürmer“ weitergeleitet wurde. Die Zeitung versuchte daraufhin mit Anprangerung und Drohung weitere Judentaufen zu verhindern. Weder der Pfarrer noch die bischöfliche Behörde erhielten eine Antwort auf die Frage, wie die Polizei an diese Dokumente gegenkommen war.

Die Ansprache des Pfarrers bei der hl. Messe am 15. März 1936 zu dem Fall ist ein schönes Beispiel katholischen Bekennermuts:

„Euer Pfarrer ist nicht willens, sich seine tägliche Tätigkeit vom ‚Stürmer‘ diktieren zu lassen, sondern von seinem eigenen Gewissen. Und dem Gewissen folgend, wird er nicht zögern, Ungläubige jeglicher Rasse in die Kirche aufzunehmen, die Christus für alle Menschen gegründet hat, solange als er [der Pfarrer] auf der anderen Seite nicht unehrliche Absichten befürchten muss.“

(Quellen: Neuhäusler, Johann: Kreuz und Hakenkreuz, Verlag Katholische Kirche Bayerns, München, 1946, S. 76)

Samstag, 6. August 2016

Wikipedia und der Holocaust – Fehlt da nicht etwas?



Heute habe ich bei der Recherche auf Wikipedia den englischen Artikel „The Holocaust“ gelesen. Vorauszuschicken sei hierbei, dass der Begriff in dem genannten Artikel deutlich weiter gefasst wurde als üblich und nicht nur die jüdischen Opfer, sondern auch weitere Opfergruppen miteingerechnet werden, so laut Artikel:

· Slawen

· ethnische Polen

· andere Westslawen

· ethnische Serben und andere Südslawen

· Ostslawen

· sowjetische Kriegsgefangene

· Zigeuner

· Farbige

· Andere [laut Unterteilung des Artikels]:

· Behinderte und Geisteskranke

· Homosexuelle

· Linke

· Freimaurer

· Zeugen Jehovas

· Spanische Republikaner


Augenscheinlich fehlt hier eine Gruppe: die Katholiken, obwohl für diese Gruppe eine systematische Verfolgung genauso gut zu beweisen ist wie für die anderen oben genannten. Laut den Zeugen Jehovas sind 2.000 ihrer Anhänger unter dem Nazi-Regime gestorben, in der Fachliteratur zu diesem Thema wird von 1.500 Opfern gesprochen[1]; die Zahl der unter dem NS-Regime ermordeten oder hingerichteten katholischen Priester beträgt laut Msgr. Walter Adolph alleine 4.000. Es sind nur sehr wenige 
„farbige“ KZ-Insassen bekannt, wohingegen die Zahl der allein in Dachau inhaftierten katholischen Priester genau angegeben werden kann: Es waren 2.579.

Nebenbei müsste man bei dem (gesperrten) Artikel die häufigen Doppelbelegungen bereinigen, da sowjetische Kriegsgefangene meist Ostslawen waren und in vielen Fällen auch Linke oder Juden oder letzere beide Kategorien gleichzeitig; ähnliches könnte man für spanische Republikaner sagen, die wohl ausschließlich Linke waren. Der französische Politiker León Blum war nicht nur Linker, sondern auch Jude usw.


Abschließend sei noch gesagt, dass dieser sehr lange Artikel die katholische Kirche nur zweimal beiläufig erwähnt. Das genügt wohl, um die Unverhältnismäßigkeiten in diesem Wikipedia-Eintrag zur Genüge zu beweisen.


[1] https://web.archive.org/web/20070930153955/http://www.museenkoeln.de/ns-dok_neu/homepage/JZ-NS-Verfolgung-Koeln.pdf

Sonntag, 13. März 2016

Die Geschwister Löb – fünf Trappisten in Auschwitz

Abtei Koningshoeven (Hans Lenting)

Eine besonders bewegende Geschichte aus der Verfolgung der jüdischstämmigen Katholiken der Niederlande im Sommer 1942 ist die der Geschwister Löb. Von den sieben Kindern der jüdischen Konvertiten Lutz und Jenny Löb traten sechs in den Trappistenorden ein. Die drei Brüder Georg (Pater Ignatius), Robert (Bruder Linus) und Ernst (Pater Nivardus) waren Mönche in der Abtei N. D. de Konigshoeven in Tilburg, während die Schwestern Lien (Schwester Hedwige), Door (Schwester Maria-Theresia) und Louise (Schwester Veronica) in die Frauenabtei N. D. de Koningsoord in Berkel-Enschot eintraten.

Anfang August 1942 klopfte die Gestapo auf der Suche nach katholischen Juden auch an den Klosterpforten der Trappisten an. Bruder Linus diente gerade seinen beiden älteren Brüdern bei deren (letzten) Messen. Bei der Verhaftung der Schwestern wurde Schwester Veronika übersehen. Schwester Hedwige sagte beim Verlassen der Abtei „Ich habe soeben dem Herrn gesagt: ‚Ich übergebe mich Dir ganz, tue mit mir, was Du willst.‘“ Friedlich lächelnd ging sie dann, um sich von ihrer Äbtissin zu verabschieden.

Es folgte die Deportation nach Ausschwitz, wo die Geschwister im Spätsommer und Frühherbst desselben Jahres den Tod fanden. Die „vergessene“ Schwester Veronika starb zwei Jahre später eines natürlichen Todes in der Abtei.

Auf der Seite der Abtei Koningshoeven ist eine ausführlichere Lebensbeschreibung der Familie und der Geschwister zu befinden (siehe hier). Gewisse Dinge in der Vita der bekehrten Eltern, so etwa das Anzünden von Kerzen am Freitagabend bzw. die Beschneidung der ersten männlichen Kinder, sind vom katholischen Standpunkt objektiv judaisierend und abzulehnen – wenn sie denn so vorgefallen sind; eine ausführlichere Lebensbeschreibung der Familie Löb erwähnt diese Aspekte nicht. In den lesenswerten biographischen Abrissen der Geschwister (ab der Seite 7) finden sich derartige judaisierende Aspekte zumindest nicht mehr. Es gab bzw. gibt Bestrebungen zur Einleitung des Seligsprechungsprozesses der fünf Trappistengeschwister.

Samstag, 30. Januar 2016

Priesterblock-Insasse zum Märtyrer erklärt

P. Engelmar Unzeitig SMM (Quelle: Mariannhiller Missionare)

Kürzlich hat Papst Franziskus den Mariannhiller Missionar und Dachauhäftling P. Engelmar Unzeitig SMM offiziell zum Märtyrer erklärt. Es wird wohl bald die Seligsprechung folgen. Hier eine Biografie des Blutzeugen.

Mittwoch, 6. Januar 2016

Zur Problematik des Martyriums der heiligen Edith Stein


Es gibt nach wie vor Personen (sowohl Katholiken als auch Juden), die anzweifeln, dass Edith Stein wegen Ihrer jüdischen Abstammung und nicht wegen Ihres Glaubens den Tod im KZ Auschwitz gefunden hat. Darum sei ihr Tod kein Martyrium im strengen Sinne.

Vor kurzem fand ich beim Durchblättern des Buchs „Im Schatten des Galgens“ von Msgr. Walter Adolph einen Brief des niederländischen Generaldirektors Dr. Lenig, der mit Edith Stein bzw. Schwester Theresia Benedicta a Cruce, wie sie im Karmeliterorden hieß, im niederländischen Amerfoort interniert war. Seine Schilderung der Umstände lässt an dem Argument zweifeln, dass sie lediglich wegen Ihrer jüdischen Herkunft ermordet wurde. 


Der Brief wurde an die Priorin des Karmels in Köln geschrieben, in das die Heilige 1933 eintrat, bevor sie wegen der Judenverfolgung im Reich 1938 nach Echt in den Niederlanden ging. Der Brief stammt vom 8. April 1947. Nachfolgend die wichtigste Passage:

„Schwester Theresia Benedicta a Cruce, die im Lager Edith Stein hieß, traf ich am 2. August des Jahres 1942 in dem als Durchgangslager bezeichneten Lager Amersfort [sic], wenn ich mit völlig irre, in Baracke Nr. 9. An diesem Sonntag wurden alle Katholiken teiljüdischer oder jüdischer Abstammung von den deutschen Henkersknechten als Antwort auf einen Hirtenbrief, der Sonntag zuvor von allen niederländischen Kirchenkanzeln verlesen worden war, verhaftet, hinweggeschleppt und zunächst (meistens) in Amersfort gesammelt, um von dort hinweggeführt zu werden zu den Gaskammern und den Krematorien (…) Zu erwähnen sei, dass zunächst einmal alle entlassen wurden, die versehentlich mitgenommen worden waren, also Protestantische, griechische (bulgarisch) Orthodoxe usw. (…)“

Wie man den letzten Satz nun dreht und wendet, man kommt nur zu dem Schluss, dass das Objekt der Verfolgung Katholiken waren. Der Teil, den ich der Knappheit halber ausgelassen habe, liefert keine Anhaltspunkte, dass es sich bei den genannten entlassenen Christen um Nicht-Juden handelte. Und selbst dann wurden eben keine Katholiken, sondern nur Anhänger anderer Konfessionen entlassen.


(Quelle des Zitats: Adolph, Msgr. Walter: Im Schatten des Galgens, Morus-Verlag, Berlin, 1953, S. 88)

Sonntag, 22. November 2015

Erzbischof Scheptyzkyjs Widerstand gegen die Nazis

der ehrwürdige Andrej Scheptyzkyj O.S.B.M., griechisch-katholischer Erzbischof von Lemberg

Die blutige Sowjetbesatzung in der Ukraine wurde im Frühsommer 1941 durch das schnelle Vorrücken der Wehrmacht im Osten verdrängt. Die Bevölkerung betrachtete die Deutschen zunächst als Befreier. Nach der Vertreibung der Sowjets riefen die Ukrainer einen selbstständigen ukrainischen Staat aus. Doch bald wurde der Bevölkerung klar, dass die antichristlichen Bolschewiken nur durch die nächsten Besatzer ersetzt wurden. „Das Regime Hitlers war, gleichermaßen wie das bolschewistische, feindlich zur Religion, zum ukrainischen Volk und seiner Kirche eingestellt“, so Dr. Gregor Prokoptschuk. Dies zeigt sich dadurch, dass Himmler das Oberhaupt der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, Erzbischof Andrej Scheptyzkyj, nach seinem ersten Hirtenbrief unter Naziherrschaft (wohl „Du sollst nicht töten!“) verhaften lassen wollte. Aufgrund der gesellschaftlichen Stellung des Erzbischofs als wichtigster Vertreter des ukrainischen Volkes ließen die Nazis aber schließlich davon ab.

Erzbischof Andrej sprach sich auch entschieden bei Himmler gegen die Verfolgung der Juden aus. Nach den Morden an den Juden von Rohatyn schickte der Erzbischof eine Protestnote an den Reichsführer SS. Der Rabbiner Dr. Herzog sagte: „Diese Tat erregte seinerzeit großes Aufsehen, denn sie war ein Akt überlegenen Mutes. Hat doch damals in Europa niemand es gewagt, gegen die grausamst wütende Gestapo öffentlich für die Juden einzutreten.“ 


Der Erzbischof schrieb eine weitere Protestnote, nachdem er erfahren hatte, dass die Gestapo Angehörige der ukrainischen Miliz zur Teilnahme an den Massakern gezwungen hatte. Das Ergebnis war, dass die Gestapo auf weitere Zwangsrekrutierungen von Milizionären verzichtete. Metropolit Scheptyzkyj war auch dafür bekannt, zahlreichen Juden, darunter auch vielen Kindern, Unterschlupf in katholischen Klöstern zu gewähren.

Durch den am 17. Juli 2015 vom Papst erklärten heroischen Tugendgrad ist der Seligsprechungsprozess nun weiter vorangeschritten. Erzbischof Andrej Scheptyzkyjs Titel ist jetzt „ehrwürdiger Diener Gottes“. Er ist auch mitverantwortlich für die Gründung des ukrainischen Zweigs der Redemptoristen (byzantinischer Ritus), der mehrere Märtyrer unter der Sowjetherrschaft hervorgebracht hat.

Montag, 16. November 2015

Interview mit Ryan Grant von Athanasius Contra Mundum

Priester im KZ Dachau
Anfang Oktober hat mich Ryan Grant vom bekannten amerikanischen Blog Athanasius contra Mundum eingeladen, in seiner Podcast-Serie Audio Sapere über die Verfolgung der Kirche im Dritten Reich zu sprechen. Die Tonqualität ist anfangs auf meiner Seite nicht so gut, wird aber später besser. Das Interview ist sicherlich auch für alle Leser interessant, die dieses Blog regelmäßig lesen. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle an Ryan, der seine kostbare Zeit zur Verfügung gestellt hat.


Interview 024 – Constantine Molitor on the Persecution of the Church in Germany under the Third Reich (der Name ist ein Pseudonym)



Freitag, 6. November 2015

Der erste deutsche Priester im KZ Dachau



Am 11. Juni 1940 kam Pfarrer Fritz Seitz von Schallodenbach (Rheinland-Pfalz) als erster reichsdeutscher Priester ins KZ Dachau. Reinhard Heydrich hatte persönlich seinen Schutzhaftbefehl unterschrieben. Mehr zu seiner Geschichte hier.

Dienstag, 11. August 2015

Klosterraub

Erzabtei Sankt Ottilien (Rufus46)

Ähnlich wie in vielen anderen Kirchenverfolgungen (Heinrich VIII. in England, Kulturkampf, Spanischer Bürgerkrieg etc.) vergriffen sich auch die Nazis an den Klöstern. Es wurden wohl im gesamten Reich (einschl. eroberte Westgebiete und Österreich) über 100 Klöster konfisziert, darunter so berühmte Einrichtungen wie der Stift Heiligenkreuz, die Erzabtei Sankt Ottilien, das Oblatenkloster in Hünfeld (O.M.I.) und der Stift Klosterneuburg.

Nachfolgend die Schilderung einiger Einzelvorgänge:

Das Dominikanerkloster Retz (Erzbistum Wien) wurde am 12.09.1940 von einer fünfköpfigen Kommission unter Führung des Kreisleiters Schuster besichtigt, da man „die freien Räumlichkeiten“ sehen wollte. Nach der Besichtigung des gesamten Klosters verabschiedeten die Männer sich wieder, ohne einen Grund angegeben zu haben. Tags darauf wurde den Dominikanern durch die Gendarmarie mitgeteilt, das Kloster sei bis 18 Uhr zu räumen. Die Insassen sollten sehen, wo sie unterkommen könnten. Unter ihnen waren ein 82-jähriger und ein Mönch mit fortschreitender Tuberkulose. Das Haus wurde darauf umfangreichen Umbaumaßnahmen unterzogen.

Noch viel schlimmer kam es in anderen Klöstern, wo man sich direkt an heiligen Gefäßen, Messstipendien und anderem Kirchenvermögen „bediente“, so z. B. bei der Beschlagnahmung der Missionsklöster Sankt Ottilien, Schweiklberg und Münsterschwarzach. Hier wurde das gesamte Vermögen des Missionsvereins „Liebeswerk des hl. Benedikt“ eingezogen. Im Franziskanerkloster von Hall in Tirol sowie im Kapuzinerkloster von Innsbruck wurden Messstipendiengelder geraubt.

Als der Benediktinerstift St. Gallus in Bregenz (in Schweizer Besitz) am 2. Januar 1941 beschlagnahmt wurde, zog man das gesamte Kirchengerät, Paramente, geweihte Gefäße, Kelche sowie Monstranzen ein. Ein mit konsekrierten Hostien gefülltes Ziborium musste in eine andere Kirche getragen, dort entleert und anschließend an die sakrilegische Staatsmacht übergeben werden. Ein Grund für die Beschlagnahmung des Klosters wurde nicht gegeben.

Neben der bei Jesuitenklöstern sehr häufigen Begründung „Staatsfeindlichkeit“ (was auch immer darunter zu verstehen ist) gab es auch skurrilere Angaben als Grund für Klosterbeschlagnahmungen, wie etwa „Wir brauchen ein Altersheim“ für das Redemptoristenkloster Aachen, „Haus steht im Wege“ beim Kapuzinerkloster in Bludenz, oder aber „Schlachtverfehlung“ bzw. „Lebensmittelverfehlung“ bei verschiedenen anderen Klöstern. Bei der Erzabtei Sankt Ottilien war anscheinend das „Liebeswerk des hl. Benedikt“, ein Missionsverein, der 50 Jahre lang als eingetragener Verein bestanden hatte, einer der Konfiszierungsgründe: „Das Kloster hat große Summen dem Nationalvermögen entzogen und für eigene Zwecke verwendet, was bei der Konzentration aller Kräfte der Nation heute nicht mehr geduldet werden kann.“

Besonders auch die „angeschlossenen“ westlichen Reichsgebiete Luxemburg und Elsass erlebten einen wahren Klostersturm. So schreibt Bischof Bornewasser von Trier in einer eine Protestnote an das Reichsinnenministerium vom 20. Mai 1941: „In Luxemburg wurde sämtliche Priesterorden aufgehoben und des Landes verwiesen. (…) Von den weiblichen Ordensgenossenschaften wurden alle Klöster, die das beschauliche Leben pflegen, aufgehoben.“

Die Ausweisung der Luxemburger Schwestern, die in die benachbarte Diözese Trier verbracht wurden, erregte unter den dortigen Katholiken großes Aufsehen: die Frage „Was geht in Luxemburg vor?“ kursierte unter den Leuten.

Anscheinend sollte solches Aufsehen in Zukunft vermieden werden, da die Klosteraufhebungen im Elsass im Jahre 1943 detaillierter geplant wurden. So hieß es in einem Schreiben des „Stillhaltekommissars für das Organisationswesen im Elsass“ mit dem Betreff „Aktion des Stillhaltekommissars gegen Klöster und Kongregationen im Elsass“: „Sonntag, den 11. Juli, werden 23 Klöster im Elsass (beschauliche Orden) vom SD besetzt. der SD sorgt dafür, dass die Insassen der Klöster die Bevölkerung nicht aufwiegeln können und dass am Montag gleich nach Sonnenaufgang per Omnibus die in Frage kommenden Ordensleute an weit entfernte Bahnhöfe mit Schnellzugsverbindungen verbracht werden.“ Auch sollten bereits „in Klosteraktionen bewanderte“ Gaurevisoren an der Aktion teilnehmen da die Aktion „gegen die Klöster sonst eine blamable Angelegenheit werden muss“. Diese Revisoren hatten die Aufgabe, die Bargeld-, Wertpapier- und Viehbestände zu erfassen und erstere unter „behördlichen Verschluss“ zu bringen. Als Grund für die Erfassung wird angegeben, dass die Ordensleute in Lothringen und Luxemburg im Rahmen der Auflösung Vieh, landwirtschaftliches Gerät und Vorräte an die Bevölkerung verschenkt hatten. Als treibende Kraft hinter der Klosteraufhebung wird Martin Bormann genannt, durch den der Befehl zur Auflösung „zur vordringlichen Durchführung gegeben worden“ war.

Doch sollte dieser „streng geheime Plan“ durch einen Informanten vereitelt werden, der ihn bei den kirchlichen Behörden zur Anzeige brachte. Der Erzbischof von Freiburg schickte darauf an ein Dutzend Reichsorgane Telegramme, in denen er mitteilte, dass er genaue Kenntnis über die geplanten Auflösungen hatte. Noch Wochen wurde Spitzel durch das Elsass und Baden geschickt, um die für den Verrat verantwortlichen Personen zu fassen.


(Quelle: Neuhäusler, Johann: Kreuz und Hakenkreuz, Verlag Katholische Kirche Bayerns, München, 1946, S. 148–159)

Montag, 10. August 2015

Die antichristliche SS

Aus dem SS-Plan zur „Erschließung des germanischen Erbes“ (1937):

„Wir leben im Zeitalter der endgültigen Auseinandersetzung mit dem Christentum. Es liegt in der Sendung der Schutzstaffel, dem deutschen Volk im nächsten halben Jahrhundert die außerchristlichen Grundlagen für Lebensführung und Lebensgestaltung zu geben.“

(Quelle: Walter Adolph: Die katholische Kirche im Deutschland Adolf Hitlers, Morus-Verlag, Berlin)

Mittwoch, 29. Juli 2015

Wieso haben Papst und Bischöfe nicht mehr gemacht? – Pius XII. und Erzbischof Sapieha von Krakau

Papst Pius XII.

Immer wieder hört man den Einwand, Papst und Bischöfe hätten zu wenig gegen den Nationalsozialismus Stellung bezogen. Inwiefern dieser Vorwurf zutrifft, ist wohl kaum befriedigend zu beurteilen. Rückblickend ist es sicher immer leichter, Verfehlungen von anderen zu erkennen und in diesem Fall zu langes Zögern oder zu wenig festes Auftreten von bestimmten Mitgliedern der Hierarchie festzustellen.

Papst Pius XII. gab in einem Schreiben an den Berliner Bischof Konrad von Preysing vom 30. April 1943 den Grund für seine Zurückhaltung mit Äußerungen über den Nationalsozialismus an:

„Den an Ort und Stelle tätigen Oberhirten überlassen Wir es abzuwägen, ob und bis zu welchem Grade die Gefahr von Vergeltungsmaßnahmen und Druckmitteln im Falle bischöflicher Kundgebungen sowie andere vielleicht durch die Länge und Psychologie des Krieges verursachten Umstände es ratsam erscheinen lassen, trotz der angeführten Beweggründe, ad maiora mala vitanda [um größere Übel zu verhüten] Zurückhaltung zu üben. Hier liegt einer der Gründe, warum Wir selber Uns in Unseren Kundgebungen Beschränkungen auferlegen; die Erfahrung, die Wir im Jahre 1942 mit päpstlichen, von Uns aus für die Weitergabe an die Gläubigen freigestellten Schriftstücke gemacht, rechtfertig, soweit Wir sehen, Unsere Haltung.“

Dabei war der Papst zuvor sicher nicht untätig. Er ließ im Frühjahr 1942 ein geheimes Rundschreiben in polnischer Sprache mit dem Titel „Weltanschauliche Auseinandersetzung und Widerlegung des Nationalsozialismus“ durch Priester zum Erzbischof von Krakau, dem späteren Kardinal Adam Sapieha, schmuggeln. Einer der „Schmuggler“, Pfarrer Joseph Kaul von Marquartstein, berichtete: 

„Der Kardinal nahm ein Blatt zur Hand und fing an, es zu lesen. Plötzlich schlug er die Hände über dem Kopf zusammen, ließ das Blatt fallen und rief aus: ‚Um Gottes willen! Dieses Rundschreiben Sr. Heiligkeit kann ich unmöglich meinem Klerus übergeben, noch weniger meinem polnischen Volk bekanntgeben. Ein Exemplar in den Händen des SD [Sicherheitsdienst] und unsere Köpfe rollen, und die katholische Kirche in Polen ist verloren. Weiß der Heilige Vater nicht, wie es um uns steht? Diese Rundschreiben müssen sofort verbrannt werden.‘ Und sogleich warf er das ganze Paket ins Feuer.“
Adam Kardinal Sapieha, Erzbischof von Krakau

Zu dem Vorfall berichtet Msgr. Quirino Paganuzzi, der ebenfalls an dieser Aktion beteiligt war: „Ich erinnere mich noch an den Ausdruck des Schreckens bei Exzellenz Sapieha, der doch alles andere als furchtsam war.“ Weiter berichtet er die Worte des Erzbischofs über das selbst auferlegte Schweigen: „Die Lage ist die gleiche für alle Polen [wie für die verfolgten Juden]. Sie meinen, sie seien von Rom vernachlässigt und verlassen, während es Tatsache ist, dass wir Bischöfe die Botschaften und die Aufmunterungen des Papstes nicht öffentlich bekanntgeben können, um unsere Bevölkerung nicht größeren Vergeltungsmaßnahmen und noch schwereren Ketten seitens der deutschen Truppen und der deutschen politischen Polizei auszusetzen.“


(Quelle: Adolph, Walter: Kardinal Preysing und zwei Diktaturen. Sein Widerstand gegen die totalitäre Macht, Morus-Verlag, Berlin, 1971, S. 189)

Dienstag, 21. Juli 2015

Martin Bormanns „Geheimerlass“

Bundesarchiv, Bild 183-R14128A / CC-BY-SA
Am 6./7. Juni 1941 wurde ein Geheimerlass der Parteikanzlei von Reichsleiter Martin Bormann (Hauptperson hinter dem Krieg gegen die Kirche im Warthegau) an alle Gauleiter herausgegeben, in dem die Unvereinbarkeit der nationalsozialistischen und der christlichen Weltanschauung hervorgehoben wird. Er dient als Antwort auf das Bestreben der sog. „Deutschen Christen“, eine Evangelische Reichskirche zu gründen.

Dieses Schriftstück, wenn auch von Lächerlichkeiten nur so strotzend, dient als wichtiges Dokument der antichristlichen Einstellung des NS-Regimes. Obwohl gegen das Christentum als Ganzes gewendet, sind die Seitenhiebe auf Papst und katholische Kirche häufiger. Msgr. Walter Adolph drückte sich so über dieses Schreiben aus: 



Was enthält an Gedankengut der Geheimerlass Bormanns? Verächtliche Worte über die christliche Religion, die aus jedem kommunistischem, antireligiösen Lehrbuch abgeschrieben sein könnten. Eine Ausdeutung der Kirchengeschichte des Mittelalters, welche die Spuren des Rosenbergschschen Geistes verrät. Hinzu kommen frivole Hiebe auf die göttliche Vorsehung, die jedem primitiven Freidenker Ehre machen. Es fehlen nicht einige pantheistische Hinweise auf Natur und Leben. Alles in allem eine grauenerregende Unkenntnis in Theologie und Geschichte. Und dieser Erlass kommt aus der Feder des Mannes, der nach Hitler die erste Stelle im ‚Großdeutschen Reich‘ einnahm.“ 

Dass Bormann nicht irgendwer, sondern die wichtigste Vertrauensperson Hitlers in den späteren Kriegsjahren war, sagte auch Hermann Göring bei den Nürnberger Prozessen aus: „Den entscheidenden Einfluss während des Krieges auf die Person des Führers, und zwar gerade vom Jahre ungefähr 1942 ab, nachdem Heß 1941 ausgeschieden war […], hatte Herr Bormann.

Schauen wir uns nun die wichtigsten Stellen des „Geheimerlasses“ an.

Zur Beziehung zwischen Nationalsozialismus und Christentum:

Nationalsozialistische und christliche Auffassungen sind unvereinbar. Die christlichen Kirchen bauen auf der Unwissenheit der Menschen auf und sind bemüht, die Unwissenheit möglichst weiter Teile der Bevölkerung zu erhalten, denn nur so können die christlichen Kirchen ihre Macht bewahren. Demgegenüber beruht der Nationalsozialismus auf wissenschaftlichen Fundamenten.“ (Eine ähnlich geistreiche Aussage – ohne den ersten und den letzten Satz – musste ich leider auch schon von einem Hochschulprofessor hören).

Vom Gottesbild der Nazis:

Wenn wir Nationalsozialisten von einer Gottgläubigkeit sprechen, dann verstehen wir unter Gott nicht, wie die naiven Christen und ihre geistlichen Nutznießer, ein menschenähnliches Wesen, das irgendwo in der Sphäre herumsitzt. […] Die naturgesetzliche Kraft, mit der sich alle diese unzähligen Planeten im Weltall bewegen, nennen wir Allmacht oder Gott.“ 
(Dies war wohl, was Msgr. Adolph als „pantheistische Hinweise auf Natur und Leben“ und „grauenerregende Unkenntnis in Theologie“ bezeichnete.)

Von der Beziehung des NS-Staates zur Kirche:


Alle Einflüsse, die durch den Führer mit Hilfe der NSDAP ausgeübte Volksführung beeinträchtigen oder gar schädigen könnten, müssen ausgeschaltet werden. Immer mehr muss das Volk den Kirchen und ihren Organen, den Pfarrern, entwunden werden.

Dass damit die Stellung des NS-Regimes zur Kirche mehr als deutlich zur Schau tritt, und dass diese Stellung während der gesamten Zeit des Dritten Reichs auch in der Tat zum Ausdruck kam, wird man nur leugnen können, wenn man gegen alle Fakten an einer Kollaboration der Kirche mit dem NS-Regime festhalten möchte.


(Quelle: Adolph, Walter: Im Schatten des Galgens, Morus-Verlag, Berlin, 1953, S. 14–18)

Sonntag, 19. Juli 2015

Förderung des Kirchenaustritts


Der anonyme Author des Buches The Persecution of th Catholic Church in the Third Reich bemerkte, dass „die Geschichte der Kirchenaustrittskampagne eine der unangenehmsten der gesamten Kirchenverfolgung [ist], da sich der Nationalsozialismus vor allem hier bemühte, nie mit offenem Visier zu kämpfen“ (eigene Übersetzung). Die Parteispitze der NSDAP enthielt sich direkter Äußerungen in diese Richtung, die niederen Beamten und normale Parteimitglieder waren in dieser Hinsicht jedoch umso rühriger. (Bemerkung: die Austrittsbewegung erfasste sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche).

Im Deutschen Reich bestand ein Gesetz (aus Weimarer Zeiten?), dass Kinder unter 12 Jahren ohne deren Zustimmung von den Eltern von der Kirchenmitgliedschaft „abgemeldet“ werden konnten. In Österreich gab es ein solches Gesetz vor dem Anschluss nicht, es wurde dann aber auch im Frühling 1939 auf die „Ostmark“ ausgeweitet.

Besonders mussten die Nazis die in Sachen Kirchenaustritt noch bestehende Hemmung bei der Bevölkerung abbauen. Dazu musste ein „Feigenblatt“ eingeführt werden, um den Glaubensabfall zu bedecken. Es wurde neben den anerkannten Bekenntnissen auch die offizielle Bezeichnung „gottgläubig“ eingeführt, wobei die kirchlichen Behörden korrekt feststellten, dass diejenigen, „die in den Standesregistern als ‚gottgläubig‘ geführt werden, Personen sind, die den Dreifaltigen Gott, den Erlöser Jesus Christus und das wahre Christentum leugnen“. Es wäre darum eine Glaubensverleugnung, sich als Katholik vor dem Staat als „gottgläubig“ zu bezeichnen.

Eine weitere Barriere, die von den Nazis abgebrochen wurde, war die öffentliche Verkündigung der Namen von Personen, die aus der Kirche austraten. Es wurde sogar schon als strafwürdiges Vergehen betrachtet, wenn ein Geistlicher lediglich eine private Mitteilung an die Angehörigen der ausgetretenen Person machte. Der St. Gabriel-Bote [?] ( „Messenger of St. Gabriel“ im Original) aus München wurde verwarnt, da er 1937 über dieses Thema schrieb und die Ausdrücke „Abfall“ und „Loyalitätsbruch gegenüber Christus“ („lapse“ und „disloyality to Christ“ im Original) verwendete, die als „Beleidigung“ für die Abgefallenen betrachtet wurden.

Zu den Mitteln, die die Nazis verwendeten, um den Austritt zu fördern, gehörten die folgenden Maßnahmen:

1. Öffentliche Verkündigung des Kirchenaustritts von führenden Parteimitgliedern (es scheint paradox, weil die Nazis dies ja dem Klerus verboten hatten): zu den bekanntesten gehören u. a. der damalige Botschafter in London, von Ribbentrop, Reichsleiter Martin Bormann sowie die Gauleiter Mutschmann (Sachsen), Röver (Oldenburg) und Robert Wagner (Baden). Besonders auffällig waren die Austritte im Jahr 1936 und im Frühling 1937.

2. Versprechungen, Ermunterungen und Drohungen: Am 7. Juni 1935 gingen im Reichsbahnaussbesserungswerk Freimann zwei Partei- und Arbeitsfront-Funktionäre mit der Parole herum „Wer nicht austritt, ist kein richtiger Nationalsozialist“. Die Austrittswilligen wurden dann unentgeltlich mit dem Betriebswagen zum Standesamt gefahren. In einem anderen Fall wurde einem arbeitslosen Künstler von einem Gewerkschaftsführer angeboten, er könne sofort anfangen, zu arbeiten, wenn er aus der katholischen Kirche austritt. Beim SS-Reserve-Sturm 2/25 wurde nachgefragt, ob und wann die Zugführer und Unterführer aus der Kirche ausgetreten sind bzw. bis wann eventuell damit zu rechnen sei.

3. Die allgemeine antikirchliche Propaganda im Dritten Reich.

Alles in allem war die Austrittswelle trotz der starken Bemühungen (SA- und SS-Leute klagten immer wieder in ihren Pfarreien, dass sie dem sehr starken indirekten Druck nicht mehr standhalten könnten) recht gering. So waren für die erste Hälfte 1938 für die gesamte Erzdiözese Köln 8.495 Austritte zu verzeichnen. Eine stärkere Austrittsbewegung war in Österreich losgetreten worden, wo in Wien in den sechs Wochen nach dem Anschluss 46.000 Personen aus der Kirche austraten, während in Graz, der „Stadt der Volkserhebung“ im Jahr 1938 16.000 von 153.000 Einwohnern die katholische Kirche verließen. In Wien war wohl die antikirchliche Propaganda unter Staatsangestellten wie Lehrern, Polizei und Beamten sehr groß, wodurch sich die allein 2.000 ausgetretenen Polizisten erklären. In Graz war die Agitation gegen den Glauben noch deutlich stärker als in Wien. Doch auch in Österreich blieben die Zahlen hinter den Anstrengungen der Nazis zurück.


(Quellen: Anonymous [wohl Msgr. Johann Neuhäusler]: The Persecution of the Catholic Church in the Third Reich, S. 226-233; Neuhäusler, Johann: Kreuz und Hakenkreuz, Verlag Katholische Kirche Bayerns, München, 1946, S. 284–286)

Donnerstag, 16. Juli 2015

Märtyrer für die Heiligkeit der Ehe: die seligen Pfarrer Otto Neururer und Georg Häfner

Pfarrer Otto Neururer

Dass das Eheverständnis der Nazis dem katholischen vollkommen entgegenstand, geht schon daraus hervor, dass unter dem Hitler-Regime zu unehelichen Kindern geradezu ermutigt wurde. So haben auch höchste NS-Persönlichkeiten wie Heß und Himmler in ihren Gunstbezeugungen gegenüber Müttern keinen Unterschied zwischen verheirateten und unverheirateten Frauen gemacht – es ging ja darum, „Kindern von rassisch gesundem Stamm das Leben“ zu geben (Heß). Im Schwarzen Korps vom 30. Dezember 1937 heißt es: „Wir können es uns nicht leisten, die Kinder der Frauen zu verlieren die […] Mütter werden können, aber keine Gattinnen.“

Aber auch in punkto Ehescheidung sahen es die Nazis nicht so eng – außer man war dagegen. So starb Pfarrer Otto Neururer aus Götzens (Tirol) im KZ Buchenwald, nachdem er eine junge Frau seiner Pfarrgemeinde darauf hinwies, dass eine kirchliche Ehe mit einem geschiedenen Mann nicht möglich ist. Die Frau wollte einen Freund des Tiroler Gauleiters Hofer heiraten. Der verhinderte „Bräutigam“ machte Anzeige bei Hofer, worauf Pfarrer Neururer zunächst im September 1939 ins KZ Dachau und danach ins KZ Buchenwald gebracht wurde, wo er am 30. Mai 1940 starb. Zur Strafe für im Lager erteilten Religionsunterricht wurde der Priester 34 Stunden lang an den Beinen aufgehängt, bis schließlich der Tod wegen übermäßigen Blutandrangs im Kopf eintrat. Ihm waren Lammfelle um die Beine gewickelt worden, um Druckspuren durch das Aufhängen zu vermeiden. Wegen der Wortwahl im Nachruf – „nach großem Leid“ und „sein Sterben werden wir nie vergessen“ – wurde der Provikar der Diözese Innsbruck, Dr. Karl Lambert, ebenfalls verhaftet und schließlich wegen verschiedenen anderen Anklagepunkten hingerichtet.

Ein ähnlicher Fall führte zum Tod des Pfarrers von Oberschwarzach (Diözese Würzburg), Georg Häfner, im KZ Dachau. Pfarrer Häfner hatte durch seinen Kaplan bei der Spendung der Sterbesakramente an ein NSDAP-Mitglied diesem eine Erklärung vorlegen lassen, dass der Mann seine zweite standesamtlich geschlossene „Ehe“ vor Gott und seinem Gewissen als ungültig betrachte – dies war erforderlich, um eine kirchliche Beerdigung veranlassen zu können. Pfarrer Häfner wurde darauf von einem Parteimitglied denunziert und verhaftet. Vor der Gestapo sagte der Pfarrer aus: „Für mich war maßgebend, dass sich der Tote mit der Kirche ausgesöhnt hatte und nunmehr kirchlich beerdigt werden konnte“. Nach der Einlieferung ins KZ Dachau im Dezember 1941 starb Pfarrer Georg Häfner am 20. August 1942 den Hungertod.



(Quellen: Neuhäusler, Johann: Kreuz und Hakenkreuz, Verlag Katholische Kirche Bayerns, München, 1946, S. 82–83, www.georg-haefner.de, https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Neururer)

Sonntag, 12. Juli 2015

Prozentualer Anteil der im KZ Dachau inhaftierten Kleriker


Aus folgenden Zahlen zur Inhaftierung von Klerikern im KZ Dachau wird sehr klar, wem der antichristliche Kampf der Nationalsozialisten galt:

römisch-katholisch
94,7 %
griechisch-katholisch
0,2 %
evangelisch
3,8 %
orthodox
0,8 %
altkatholisch
0,2 %
tschechische Kirche
0,1 %
mariavitisch
0,1 %
mohammedanisch
0,1 %
= katholisch 94,9 % von
100 %



 Im Protokoll einer Geheimkonferenz der Kirchenbearbeiter der Staatspolizeileitstellen vom 22. und 23. September 1941 tritt klar hervor, dass nach Ansicht der Gestapo die Gerichte wegen „noch immer herrschender politischer Instinktlosigkeit der Gerichtsbehörden“ die Prozesse gegen „hetzende Pfarrer“ durchweg einstellen würden, weshalb staatspolizeilich gegen solche Kleriker vorgegangen und ggf. „nach Entscheidung des RSHA [Reichssicherheitshauptamt] Überführung in ein Konzentrationslager“ veranlasst werden sollte. So wird auch klar, weshalb die Zahl der vor Sondergerichten oder Volksgerichtshof zum Tode verurteilten katholischen Priester mit 130 im Vergleich zu der Gesamtzahl von 4.000 Priestern, die in allen von den Nazis kontrollierten Gebieten zwischen 1939 und 1945 ermordet oder hingerichtet wurden, recht gering ist. Der größte Teil wurde von der SS direkt an Ort und Stelle oder in Konzentrationslagern ermordet. Polnische Welt- und Ordensgeistliche waren noch mit großem Abstand vor dem deutschen Klerus die Hauptleittragenden dieser Verfolgung.

(Quelle: Walter Adolph: Die katholische Kirche im Deutschland Adolf Hitlers)