Posts mit dem Label Sakrilegien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sakrilegien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 11. August 2015

Klosterraub

Erzabtei Sankt Ottilien (Rufus46)

Ähnlich wie in vielen anderen Kirchenverfolgungen (Heinrich VIII. in England, Kulturkampf, Spanischer Bürgerkrieg etc.) vergriffen sich auch die Nazis an den Klöstern. Es wurden wohl im gesamten Reich (einschl. eroberte Westgebiete und Österreich) über 100 Klöster konfisziert, darunter so berühmte Einrichtungen wie der Stift Heiligenkreuz, die Erzabtei Sankt Ottilien, das Oblatenkloster in Hünfeld (O.M.I.) und der Stift Klosterneuburg.

Nachfolgend die Schilderung einiger Einzelvorgänge:

Das Dominikanerkloster Retz (Erzbistum Wien) wurde am 12.09.1940 von einer fünfköpfigen Kommission unter Führung des Kreisleiters Schuster besichtigt, da man „die freien Räumlichkeiten“ sehen wollte. Nach der Besichtigung des gesamten Klosters verabschiedeten die Männer sich wieder, ohne einen Grund angegeben zu haben. Tags darauf wurde den Dominikanern durch die Gendarmarie mitgeteilt, das Kloster sei bis 18 Uhr zu räumen. Die Insassen sollten sehen, wo sie unterkommen könnten. Unter ihnen waren ein 82-jähriger und ein Mönch mit fortschreitender Tuberkulose. Das Haus wurde darauf umfangreichen Umbaumaßnahmen unterzogen.

Noch viel schlimmer kam es in anderen Klöstern, wo man sich direkt an heiligen Gefäßen, Messstipendien und anderem Kirchenvermögen „bediente“, so z. B. bei der Beschlagnahmung der Missionsklöster Sankt Ottilien, Schweiklberg und Münsterschwarzach. Hier wurde das gesamte Vermögen des Missionsvereins „Liebeswerk des hl. Benedikt“ eingezogen. Im Franziskanerkloster von Hall in Tirol sowie im Kapuzinerkloster von Innsbruck wurden Messstipendiengelder geraubt.

Als der Benediktinerstift St. Gallus in Bregenz (in Schweizer Besitz) am 2. Januar 1941 beschlagnahmt wurde, zog man das gesamte Kirchengerät, Paramente, geweihte Gefäße, Kelche sowie Monstranzen ein. Ein mit konsekrierten Hostien gefülltes Ziborium musste in eine andere Kirche getragen, dort entleert und anschließend an die sakrilegische Staatsmacht übergeben werden. Ein Grund für die Beschlagnahmung des Klosters wurde nicht gegeben.

Neben der bei Jesuitenklöstern sehr häufigen Begründung „Staatsfeindlichkeit“ (was auch immer darunter zu verstehen ist) gab es auch skurrilere Angaben als Grund für Klosterbeschlagnahmungen, wie etwa „Wir brauchen ein Altersheim“ für das Redemptoristenkloster Aachen, „Haus steht im Wege“ beim Kapuzinerkloster in Bludenz, oder aber „Schlachtverfehlung“ bzw. „Lebensmittelverfehlung“ bei verschiedenen anderen Klöstern. Bei der Erzabtei Sankt Ottilien war anscheinend das „Liebeswerk des hl. Benedikt“, ein Missionsverein, der 50 Jahre lang als eingetragener Verein bestanden hatte, einer der Konfiszierungsgründe: „Das Kloster hat große Summen dem Nationalvermögen entzogen und für eigene Zwecke verwendet, was bei der Konzentration aller Kräfte der Nation heute nicht mehr geduldet werden kann.“

Besonders auch die „angeschlossenen“ westlichen Reichsgebiete Luxemburg und Elsass erlebten einen wahren Klostersturm. So schreibt Bischof Bornewasser von Trier in einer eine Protestnote an das Reichsinnenministerium vom 20. Mai 1941: „In Luxemburg wurde sämtliche Priesterorden aufgehoben und des Landes verwiesen. (…) Von den weiblichen Ordensgenossenschaften wurden alle Klöster, die das beschauliche Leben pflegen, aufgehoben.“

Die Ausweisung der Luxemburger Schwestern, die in die benachbarte Diözese Trier verbracht wurden, erregte unter den dortigen Katholiken großes Aufsehen: die Frage „Was geht in Luxemburg vor?“ kursierte unter den Leuten.

Anscheinend sollte solches Aufsehen in Zukunft vermieden werden, da die Klosteraufhebungen im Elsass im Jahre 1943 detaillierter geplant wurden. So hieß es in einem Schreiben des „Stillhaltekommissars für das Organisationswesen im Elsass“ mit dem Betreff „Aktion des Stillhaltekommissars gegen Klöster und Kongregationen im Elsass“: „Sonntag, den 11. Juli, werden 23 Klöster im Elsass (beschauliche Orden) vom SD besetzt. der SD sorgt dafür, dass die Insassen der Klöster die Bevölkerung nicht aufwiegeln können und dass am Montag gleich nach Sonnenaufgang per Omnibus die in Frage kommenden Ordensleute an weit entfernte Bahnhöfe mit Schnellzugsverbindungen verbracht werden.“ Auch sollten bereits „in Klosteraktionen bewanderte“ Gaurevisoren an der Aktion teilnehmen da die Aktion „gegen die Klöster sonst eine blamable Angelegenheit werden muss“. Diese Revisoren hatten die Aufgabe, die Bargeld-, Wertpapier- und Viehbestände zu erfassen und erstere unter „behördlichen Verschluss“ zu bringen. Als Grund für die Erfassung wird angegeben, dass die Ordensleute in Lothringen und Luxemburg im Rahmen der Auflösung Vieh, landwirtschaftliches Gerät und Vorräte an die Bevölkerung verschenkt hatten. Als treibende Kraft hinter der Klosteraufhebung wird Martin Bormann genannt, durch den der Befehl zur Auflösung „zur vordringlichen Durchführung gegeben worden“ war.

Doch sollte dieser „streng geheime Plan“ durch einen Informanten vereitelt werden, der ihn bei den kirchlichen Behörden zur Anzeige brachte. Der Erzbischof von Freiburg schickte darauf an ein Dutzend Reichsorgane Telegramme, in denen er mitteilte, dass er genaue Kenntnis über die geplanten Auflösungen hatte. Noch Wochen wurde Spitzel durch das Elsass und Baden geschickt, um die für den Verrat verantwortlichen Personen zu fassen.


(Quelle: Neuhäusler, Johann: Kreuz und Hakenkreuz, Verlag Katholische Kirche Bayerns, München, 1946, S. 148–159)

Sonntag, 1. Februar 2015

Schließung und Schändung von Kirchen im dritten Reich


Nicht nur Kreuze, auch katholische Kirchen wurden im Dritten Reich geschändet.  Bereits hier wurde auf die Schließung und den Missbrauch von Kirchen im Warthegau hingewiesen, Ähnliches spielte sich aber auch im katholischen Oberbayern und Tirol ab.

In der Erzdiözese München-Freising wurden folgende Kirchen und Kapellen geschändet:

Altöttinger Kapelle in München

Kapelle in Eberspoint

Klosterkirche Fürstenfeldbruck [ehemalige Zisterzienserabtei]

Heilig-Kreuz-Kirche in München-Giesing

St.-Vinzenz-Kirche in München

Pfarrkirche in Weyarn.

Obwohl der Erzbischof und der Papst protestierten, wurde die Kirche im Schloss Nymphenburg in München mit ihren zahlreichen Gräbern von Ordensfrauen in einen Bibliotheksaal für das Jagdmuseum verwandelt.

In Tegernsee wurden für die Reichstagswahl 1936 sowohl in der Kirche als auch an der Außenwand, dem Pfarrhaus und dem Zaun des Pfarrgartens Wahlplakate (natürlich nur NSDAP) aufgehängt. Der Pfarrer, seine Schwester und der Mesner wurden für kurze Zeit verhaftet, weil sie die Wahlplakate am ersten Tag entfernt hatten. Bei einem ähnlichen Fall wurde der Benefiziat von Wolfratshausen samt seiner Schwester verhaftet, da sie die Wahlplakate abgerissen hatten, die außen am 1. Stock seines Hauses angebracht waren. 



Alle Appelle des Erzbischöflichen Ordinariats in München, das sich bereits im August 1935 wegen Schädigung von Kirchengebäuden an das Reichsjustizministerium gewandt hatte, waren vergebens.

Stift Wilten, Innsbruck (Quelle: N p holmes)
In Innsbruck hatte Gauleiter Franz Hofer, der bereits vorher Kirchen geschlossen hatte, während den Fliegerangriffen 1943 nichts Besseres zu tun, als zu versuchen, sich auf perfide Weise zweier Kirchen zu entledigen. Dazu wurde die Sauerstoff-Sprenggesellschaft m.b.H. Berlin-München beauftragt, die nach Kriegsende am 2. Juli 1945 von Hofers Vorhaben an das Erzbischöfliche Ordinariat München berichtete:

Das Servitenkloster in Innsbruck wurde während den Fliegerangriffen im Dezember 1943 beschädigt. Um das Kloster weiterhin nutzen zu können, mussten einige Gebäudeteile, die an die unbeschädigte Servitenkirche angrenzten, beseitigt werden. Baurat Hauser gab dem Unternehmen den unerwarteten Auftrag, die Kirche „versehentlich“ anzusprengen, damit sie völlig beseitigt werden konnte. Anscheinend wünschte Gauleiter Hofer vor dem Gauhaus einen Aufmarschplatz, dem die Kirche im Weg stand. Alles sollte natürlich höchst geheim geschehen. Allerdings lehnte der technische Außenstellenleiter, Bauingenieur Hildl, die Verantwortung ab, da nach Dienstanweisung der Betriebsführer die Verantwortung trug, dem der Auftrag vorgelegt werden musste.

Nach einem weiteren Angriff auf die Stadt sollte die prachtvolle Prämonstratenser-Stiftskirche Wilten (der Stift war während er Kriegsjahre von den Nazis aufgehoben worden) beseitigt werden. Die Kirche sollte angebohrt und gesprengt werden. Nach den erforderlichen Bohrungen durch den Sprengmeister lehnte jedoch der Bauingenieur Hildl erneut die persönliche Verantwortung ab und verlangte, dass die Genehmigung vom Betriebsführer eingeholt würde. Die Stadt Innsbruck verlangte in einem Telegramm an die Zentrale in Berlin die Sprengung. Diese schrieb zurück, dass dies erst mit einem schriftlichen Auftrag durch die Stadt bzw. den Gauleiter erfolgen könnte. Der Auftrag wurde nicht erteilt. Laut dem Unternehmen sollte der Gauleiter aktenkundig nicht mit der Sprengung in Verbindung gebracht werden. Es sollte wieder ein „Versehen“ sein, wobei dem Unternehmen Deckung durch den Gauleiter vor Angriffen zugesagt wurde.

(Quelle: Neuhäusler, Johann: Kreuz und Hakenkreuz, Verlag Katholische Kirche Bayerns, München, 1946, S. 295—297)

Sonntag, 25. Januar 2015

Systematische Kreuzschändung im dritten Reich

Ave Crux spes unica
Es ist schwer vorstellbar, dass die nachfolgenden Taten im gesamten Deutschen Reich reiner Zufall sind. Der Leser möge selbst urteilen. Der Verfasser von The Persecution of the Catholic Church in the Third Reich nahm sie in einem eigenen Anhang in sein Buch auf. Hier einige der Vorfälle:

Erzdiözese München:

Am 21. Oktober 1937 wurden in Erding vier Stationen des im Freien stehenden Kreuzwegs geschändet.

In Glonn bei Grafing wurde in der Nacht vom 17. auf den 18. Mai 1937 ein 130 Jahre altes Wegkreuz niedergerissen. Anschließend wurde ein Pflug darauf abgestellt.

In Lustheim (Oberschleißheim) wurde am 24. Juli 1937 die Figur eines vier Meter hohes Kruzifixes, das gegenüber der Kirche stand, niedergerissen und zerschmettert. Die Bruchstücke wurden in den Schlossgraben geworfen.

Ähnliche Vorfälle gab es in Hohenkammer und in Teisendorf. Die Diözesanleitung schrieb für derartige Fälle eine Sühnefeier, bei der gepredigt und der Kreuzweg gebetet werden sollte. Ebenfalls sollten alle Kreuze in der Kirche und wenn möglich auch die Wegkreuze der Pfarrei geschmückt werden.

Diözese Rottenburg:

In einem Hirtenschreiben von 1936 nannte Bischof Joannes Baptista Sproll mehrere Kreuzschändungen, die in derselben Nacht vom 8. Mai in seiner Diözese stattfanden:

Drei Wegkreuze zwischen Hohenmühringen und Nordstetten wurden umgeworfen, zerschmettert und die Reste auf der Straße verteilt.

Eine knapp zwei Meter hohe Statue zwischen Bühl und Kiebingen wurde niedergerissen und zerstört, in Hemmendorf versuchte man, die Statue des hl. Johannes Nepomuk am Ortseingang mit einem Seil niederzureißen, die Täter wurden aber wohl entdeckt und machten sich mit einem bereitstehenden Fluchtwagen aus dem Staub.

Am 9. Mai wurde oberhalb von Deggingen ein schweres Kreuz aus Eisenbeton, dessen Betonfundament fast einen Meter in den felsigen Grund reichte, niedergerissen und zerstört. Es war von einem Soldaten nach dem Ersten Weltkrieg zur Erfüllung eines Gelübdes errichtet worden. Der Bischof erwähnte in seinem Hirtenschreiben, dass es in einer Publikation hieß, dass der „nordische Mann“ nicht länger die Bilder des gekreuzigten Heilands an jedem Feld und an jeder Kreuzung tolerieren könne.

Diözese Augsburg:

Ein reichverziertes Gitter einer Kapelle in Oberstdorf, das ein großes Bild des Gekreuzigten enthielt, wurde um Himmelfahrt 1939 herausgerissen. Das vollkommen verbogene Gitter mitsamt dem zerstörten Bild wurde von einem Bauern auf seinem Misthaufen gefunden. Ein feierliches Sühnetriduum zog Ströme von Gläubigen an. Es endete mit einer Prozession zum Tatort des Sakrilegs.

Saargebiet:

Das Heiligtum Maria Waldrast, dass von jungen katholischen Männern in Form einer Lourdes-Grotte errichtet wurde, wurde nachts entweiht und zerstört. Die Täter entfernten das schmiedeeiserne Kreuz am Eingang der Grotte, zertrümmerten die Statuen der allerseligsten Jungfrau und der heiligen Bernadette und warfen sie in den Teich. Dasselbe geschah mit der Statue des heiligen Antonius, deren Kopf aber zunächst abgehauen wurde. An allen Kreuzwegstationen wurden die Kreuze abgeschlagen, genau wie an den Sammelbüchsen. Man unternahm anscheinend den Versuch, auch das etwa zehn Meter hohe Kalvarienkreuz niederzureißen. In der Nähe wurde eine Kapelle geschändet, in Warnsdorf wurde ein großes Missionskreuz zerstört.

Erzdiözese Freiburg:

Am 19. April 1936, einen Tag vor Hitlers Geburtstag, wurde ein schweres Steinkreuz in der Pfarrei Zimmern niedergerissen. Es kam auch in den Schulen zu Kreuzschändungen durch Schüler, so wurde im Jahr 1936 in Neckerhausen ein Klassenzimmer-Kruzifix mit faulen Äpfeln beworfen und im Februar 1937 in der weiterführenden Schule von Ofen ein künstlerisch hochwertiges Kreuz verbrannt.

Sowohl in der Erzdiözese Freiburg als auch in den Diözesen Aachen, Münster, Köln, Speyer und Limburg kam es zu zahlreichen weiteren Kreuzschändungen.


(Quellen: Anonymous [wohl Msgr. Johann Neuhäusler]: The Persecution of the Catholic Church in the Third Reich)