Dienstag, 27. Mai 2014

Papst Pius XI. über ein anderes Kreuz, das nicht das Kreuz Christi ist



Im Frühjahr 1938 war Hitler in Rom. Natürlich nicht beim Papst, sondern bei Mussolini. Zu dieser Zeit sagte Papst Pius XI. in einer Audienz:

„Traurige Ereignisse geschehen eben, wirklich traurige, sowohl in der Ferne wie auch ganz nahe. Ja, wahrhaft betrübliche Geschehnisse! Und unter diesen mag man wohl die Tatsache erwähnen, dass an dem Fest des heiligen Kreuzes hier öffentlich das Abzeichen eines anderen Kreuzes getragen wurde, das nicht das Kreuz Christi ist. Wir werden genug gesagt haben, wenn wir Euch sagen, wie notwendig es ist zu beten, viel zu beten, innig zu beten, dass uns Gottes Erbarmen nicht verlorgen gehe.“


(Quelle: Neuhäusler, Johann: Kreuz und Hakenkreuz, Verlag Katholische Kirche Bayerns, München, 1946, S. 14)

Montag, 26. Mai 2014

Tätliche Angriffe auf die deutschen und österreichischen Bischöfe

Matthias Ehrenfried, Bischof von Würzburg

Würzburg 1934, Angriff auf den Bischofshof, Zitat aus der päpstlichen Note vom 14.05.1934:

„Früchte dieser Toleranz von oben und des in gewissen Kreisen herangezogenen Geistes sind Vorgänge, wie die jüngst erfolgte Demonstration von etwa tausend Mann vor dem Bischofshof in Würzburg, davon ein Drittel in der Uniform von Nationalsozialisten und Hitlerjugend. (…) 

Aus der zusammengebrachten Menge fielen in vorbereiteten Sprechchören die Rufe: ‚Die schwarzen Jugendführer sollen gehängt werden! Der Bischof soll gehängt werden! Er ist Landesverräter und Volksverräter! Heraus mit der Politik aus der Kirche!‘ 
Der Bischof trat an das Fenster und sprach: ‚Wir tragen die Politik nicht in die Kirche! Wir verteidigen die Rechte der Kirche!‘ Darauf wurde mit einem Balken das Haustor eingerammt. 
Bei dieser Demonstration ereignete sich auch die schmachvolle Tatsache, dass die Veranstalter den Osterbrief des Hl. Vaters Satz für Satz verlasen und Satz für Satz von der durch sie aufgebotenen Parteimannschaft mit Pfui! beantworten ließen.“

Für diesen Übergriff wurde niemand zur Verantwortung gezogen, lediglich für die Zukunft ein „Demonstrationsverbot“ verhängt.



Casper Klein, Erzbischof von Paderborn
Aufsehen in ganz Deutschland erregte eine von der Hitlerjugend von langer Hand geplante Demonstration gegen den Erzbischof von Paderborn, Caspar Klein, am 12. Mai 1935 in Hamm. HJ-Mitglieder wurden durch mit „streng geheim“ gekennzeichneten Anschreiben dazu eingeladen. Die HJ wartete am Bahnhof auf den Erzbischof, um ihn dann mit Rufen wie „Devisenschieber“ und „Unserem Führer Adolf Hitler Sieg Heil!“ zu empfangen. Danach versuchten sie, den Erzbischof am Einsteigen in seinen Wagen zu hindern, wobei sich einige HJ-Mitglieder auf das Trittbrett des abfahrenden Autos stellten und versuchten, hineinzuspucken und diesen umzuwerfen. Die zu Hilfe eilende Bevölkerung wurde von der HJ mit gezücktem Ehrendolch angegriffen. Sie drängten sich weiter um den Wagen und schrien dabei: „Nieder mit dem Bischof! Wer bringt die Devisen ins Ausland? Die Pfaffen!“

Als der Erzbischof auf dem St.-Agnes-Kirchplatz angekommen war, gingen die Sprechchöre weiter: „Wer hat den Arbeitsdienstmann Koch ermordet? Die Pfaffen! - Wir haben nur einen Führer! Sieg Heil! Als man durch Zureden versuchte, die HJ zum Schweigen zu bringen, ging diese zum Angriff über und schlug wahllos auf Passanten ein. Erst durch Eintreffen eines Überfallkommandos der Polizei verschwand die HJ.


Auch Kardinal Faulhaber (Erzbischof von München-Freising) wurde Opfer eines Angriffs durch die braunen Horden. Als er am Christkönigsfest 1936 (25. Oktober) aus der Heilig-Kreuz Kirche in München auszog, schrien ihm „Stoßtruppleute der Deutschen Glaubensbewegung“ hasserfüllt entgegen: „Nieder! Nieder mit dir! Heil Hitler!“ und schlugen mit Fäusten und einem Stock auf das Auto des Kardinals ein. Hier kam es zwar zu einem Gerichtsprozess, dieser wurde jedoch im Oktober 1937 eingestellt.

Am 11. November 1938, zwei Tage nach den Reichspogromen, wurde der Erzbischöfliche Palais in München mit Steinen, darunter auch Ziegelsteinen, beworfen, wobei etwa 100 Fensterscheiben zu Bruch gingen. Das Einfahrtstor wurde mit einem Balken gerammt. Begleitet wurde dies durch die Rufe: „Raus! Raus! Nach Dachau! In Schutzhaft mit dem Hochverräter!
“ Unter den Teilnehmern waren uniformierte Amtspersonen der Partei sowie der stellvertretende Gauleiter.

Bei der Fronleichnamsfest 1939 wurde Kardinal Faulhaber von einem Balkon als „Landesverräter“ beschimpft. Auch hier kam es zu keinem Prozess.


Theodor Kardinal Innitzer, Fürsterzbischof von Wien
Am 7. Oktober 1938 kam es zu Krawallen von Seiten junger Nationalsozialisten vor dem Erzbischöflichen Palais in Wien, nachdem Kardinal Innitzer der zu der sogenannten „Rosenkranz-Demonstration“ versammelten katholischen Jugend (6.000 Personen) vor dem Stephansdom zurief: „Ihr lieben jungen Freunde, lasst euch nicht abreden vom Glauben, wenn auch noch so viele gleißende Worte fallen.“ 

Am 8. Oktober stürmten die Nazis das Gebäude, wobei Statuen und Mobiliar zertrümmert und Bilder zerstört wurden. Der Domkurat Johannes Kawarik wurde vom Balkon geworfen, wobei er sich einen doppelten Oberschenkelbruch zuzog. Verurteilungen sind nicht bekannt.


Der Diener Gottes Bischof Joannes Baptista Sproll von Rottenburg
In Rottenburg wurden am 18. April 1938 die ersten Fenster am Bischofspalais eingeworfen. Am 23. Juli 1938 zog die Partei aus dem Umkreis von 50 km 3000 Nazis zusammen.

Zunächst wurde Feuer vor dem Gebäude gemacht und Feuerwerkskörper gezündet, dazu die Sprechchöre: „Schwarzer Zigeuner! Volksverräter! Heraus mit dem Lumpen!“ Anschließend wurden Fensterläden aufgestemmt und Türfüllungen gesprengt. 

Einige Personen drangen in die Kapelle ein, wo der Bischof Sproll von Rottenburg mit Erzbischof Gröber vor dem Allerheiligsten beteten. 20 Personen hielten sich etwa eine Viertelstunde lang, zum Teil mit brennenden Zigaretten im Mund und Mütze auf dem Kopf, in der Kapelle auf. 

Der einzige Bestrafte war Bischof Sproll selbst: er wurde bis zu Kriegsende der Diözese verwiesen. Er hatte sich geweigert, einen Stimmzettel abzugeben, mit dem er Kirchenfeinde wie Rosenberg hätte wählen müssen.

(Quelle: Neuhäusler, Johann: Kreuz und Hakenkreuz, Verlag Katholische Kirche Bayerns, München, 1946, S. 33-37, Wikipedia „Rosenkranz-Demonstration“)


Sonntag, 25. Mai 2014

Papst Pius XI. über die Verfolgung der katholischen Kirche im Nazireich (Weihnachtsansprache 1937)



„In Deutschland besteht wirklich eine religiöse Verfolgung. Seit einiger Zeit wird behauptet und verbreitet, dass es dort keine Verfolgung gäbe. Wir dagegen wissen, dass sie da ist, und zwar schwer. 
Es hat sogar nur in wenigen Fällen eine so schwere, wahrhaft besorgniserregende Verfolgung gegeben, die so betrübend in ihren tiefsten Wirkungen ist. Es ist eine Verfolgung, bei der es weder an der Gewaltanwendung noch an der Bedrückung durch Drohungen noch an verschlagenen und heuchlerischen Ränken fehlt. 
Niemand kann daran zweifeln, dass, wenn der Statthalter Christi von solchen Tatbeständen spricht, die seine Verantwortlichkeit aufs Engste berühren, dass er weniger gut unterrichtet ist oder die Dinge etwa verwechselt.“

(Quelle: Neuhäusler, Johann: Kreuz und Hakenkreuz, Verlag Katholische Kirche Bayerns, München, 1946, S. 14)

Mittwoch, 21. Mai 2014

Gegen „Grüß Gott“ und Heiligenbilder in Berchtesgaden


1936 fanden in Berlin die Olympischen Spiele statt. Anlässlich dieses Großereignisses wollte man sich wohl in der NSDAP-Kreisleitung Berchtesgaden betont „Führertreu“ geben und versandte dazu den Sonderdruck eines Artikels, in dem auf übelste Weise die Verwendung des traditionellen Grußes „Grüß Gott“ verspottet und gemahnt wird, auch ja den Hitlergruß zu benutzen. In dem von Kreisleiter Max Kammerer und dem Kurdirektor Dr. Max Berkmann unterschriebenen Dokuments heißt es unter anderem:

„Als wir kürzlich mit einem Ausländer durch die Straßen gingen, begegnete uns ein „Grüß-Gottler“. Sicher kein „Staatsfeind“, auch kein „Nazifresser“, aber halt ein „lieber, herzlicher, netter Grüß-Gottler“, desssen freundlicher Gruß auch gewiss nicht anders gemeint war, als ein freundlicher Gruß, der so hingesprochen wird. Als er wieder seines Weges ging, fragte unser Ausländer sehr erstaunt, ob dieser Mann ein Gegner des Führers sei! (…) Diese Gleichgültikgeit und Gedankenlosigkeit muss aufhören, insbesondere hier im Berchtesgadener Land - der Wahlheimat des Führers-, das auch in den nächsten Wochen von zahlreichen Olympiagästen besucht wird.“

In ähnliche Richtung ging die Wirtschaftsgruppe „Gaststätten- und Beherberungsgewerbe“ von Berchtesgaden-Laufen drei Jahre später. Im Januar 1939 wurden die Mitglieder in einem Zirkular aufgefordert, statt „Heiligenbildern und ähnlichem“ (gemeint ist wohl, wenn auch verschleiert, das Kruzifix) ein Bild von Hitler oder „eines der führenden Männer Deutschlands“ aufzuhängen.


(Quelle: Neuhäusler, Johann: Kreuz und Hakenkreuz, Verlag Katholische Kirche Bayerns, München, 1946, S. 251-253)

Dienstag, 13. Mai 2014

„Kitschig und unwahrhaft“ – Wieso die Nazis eine Missionszeitschrift verboten

Die Zeitschrift „Weltmission - Illustrierte Monatsschrift des Päpstlichen Werkes der Glaubensverbreitung“ vom Franziskus-Xaverius-Missionsverein in Aachen wurde am 27. August 1937 durch die Geheime Staatspolizeistelle Aachen mit Berufung auf §1 der Notverordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 bis auf weiteres verboten. Warum? Deshalb:

„Infolge der kitschigen und unwahrhaften Art der Darstellung der Verhältnisse bei fremden Völkern und durch die Verherrlichung fremder Rassen gegenüber den Europäern ist das Verbot der genannten Zeitschrift notwendig geworden, da sie eine Gefahr für den nationalsozialistischen Staat tragenden Rassegedanken bildet.“

Jeder Leser dieses Blogs weiß, dass die Darstellungen der fremden Völker weder kitschig sind noch „fremde Rassen“ verherrlichen, sondern lediglich die Realität widerspiegeln, wie sie die Missionare in den fremden Ländern vorgefunden haben. Es ist wenig überraschend, dass die Darstellung der positiven Eigenschaften der fremden Völker, besonders wenn diese sich bereits zum katholischen Glauben bekehrt hatten, nicht in das nationalsozialistische Konzept des „Untermenschen“ passte. Zudem ist das Ganze noch überaus anmaßend, da wohl die meisten Nazis niemals ein solches Land betreten haben und wohl kaum den Wahrheitsgehalt der gemachten Angaben überprüfen konnten. Ein anderer naheliegender und wahrscheinlicher Grund für das Verbot ist meiner Meinung nach die Liebe zum katholischen Glauben, zur Kirche und zu den Mitkatholiken weltweit sowie das Mitleid mit den Heidenvölkern, die diese Schriften in den Herzen der Gläubigen weckten.

In meinem persönlichen Besitz sind die letzten Missionshefte vor dem Krieg, sowohl die „katholischen Missionen“ als auch die „Weltmissionen der katholischen Kirche“, aus dem Jahr 1936. Auch bei ZVAB finden sich keine Ausgaben der Zeitschriften zwischen den Jahren 1938 und 1945. Die Inhaltszusammenfassung dieses Buchs legt nahe, dass die „katholischen Missionen“ und die „Weltmission der katholischen Kirche“ nach 1937 verboten wurden.


(Quelle: Adolph, Walter: Geheime Aufzeichnungen aus dem nationalsozialistischen Kirchenkampf 1935-1943, S. 146-147) 

Montag, 12. Mai 2014

Off-topic: Schwarze Messe auf Harvard-Campus

Heute Abend soll auf dem Campus der sog. „Eliteuniversität“ Harvard eine satanische Schwarze Messe „nachgestellt“ werden (siehe hier). Der liebe Gott mögen es Ihnen vergelten, wenn Sie in irgendeiner Form hierfür Sühne leisten, sei es durch Gebete, Opfer oder Almosen.

Sonntag, 11. Mai 2014

Unverdächtige Zeugen - Die Nazis über den Widerstand des Klerus und der Katholiken


Die Nazis äußerten sich schon früh nach der Machtergreifung missmutig über die ablehnende Haltung weiter katholischer Kreise. Der Historiker Dieter Albrecht schreibt im Vorwort zu Helmut Witetscheks Buch „Die kirchliche Lage in Bayern 1933-43, I, Oberbayern“, dass die darin veröffentlichten Berichte von Regierungspräsidenten und Polizei die „fortdauernde Existenz einer religiös fundierten Volksopposition“ belegen.

Bereits am 23. August 1933 ergeht ein Schreiben der NSDAP-Gauleitung Berlins an Adolf Hitler, in dem Folgendes berichtet wird:

„Einen geschlossenen Block deutscher Volksgenossen, die innerlich unserer Bewegung noch ablehnend gegenüberstehen, bildet der größte Teil der früheren Zentrumskatholiken. Deren Führer, die Geistlichen, sind, abgesehen von einer kleinen Minderheit, uns immer noch feindlich gesinnt…Diese gewollte Passivität ist die Ursache, dass heute noch ein sehr großer Teil der katholischen Bevölkerung in der nationalsozialistischen Bewegung den Feind der katholischen Kirche sieht.“

Es wird weiter beklagt, dass diesbezüglich von Seiten der Kirche eine „erlösende Tat“ fehle und diese von der höheren Geistlichkeit nicht zu erwarten sei.

Hitler selbst äußerte sich am 16. November 1936 gegenüber dem Führer der niederländischen Nationalsozialisten, Anton Mussert, der ihn um Hilfe gegen das Auftreten der niederländischen Bischöfe gegen seine Bewegung bat, dass er zwar nie den Kampf gesucht habe, die Kirche aber immer Widerstand geleistet habe. Überall in Europa bekämpfe sie die nationalen Bewegungen.

Auch die „Lageberichte“, die an höhere Regierungsautoritäten und Parteifunktionäre gerichtet waren und vom Reichsführer SS, Heinrich Himmler, ausgingen, wissen vom katholischen Widerstand zu berichten. Da heißt es: „So kommt es auf jedem Gebiete, wo der Nationalsozialismus mit dem Rassengedanken ernst macht, zu Angriffen von katholischer Seite.“ Auch wird der katholischen Kirche „Kampf gegen das Sterilisierungsgesetz“ und „Eintreten für das Judentum“ vorgeworfen. Schließlich heißt es, dass die Geistlichen, die sich voll und ganz zum Nationalsozialismus bekannten, „äußerst gering an Zahl“ seien und von ihren Mitbrüdern und vorgesetzten kirchlichen Behörden verfolgt würden. (Lagebericht Mai/Juni 1934)

Im Jahreslagebericht 1938 beklagt man, dass neben Kardinal Faulhaber und den Bischöfen Gröber und von Galen, die bereits als „gehässige Feinde des Nationalsozialismus“ bekannt seien, sich Weihbischof Sträter von Aachen „durch eine besonders hetzerische Darstellung des Kirchenkampfs“ hervorgetan habe und sich nicht scheute, „den Nationalsozialismus als satanische Macht zu bezeichnen.“

Auch an den heiligen Stuhl wendet sich die NS-Regierung mit ihren Klagen, der Reichskanzler habe dem deutschen Episkopat die Hand entgegengestreckt, manche kirchliche Würdenträger ließen aber eine unberechtigte kritische Einstellung erkennen und viele jüngere Geistliche, besonders in Süddeutschland, machten aus ihrer Abneigung gegen das neue Reich kein Hehl.

Allein die Tatsache, dass eine sehr große Zahl der deutschen Katholiken gegen den Nationalsozialismus eingestellt war, legt nahe, dass der Klerus hier rege Aufklärungsarbeit geleistet hat. Dies soll durch weitere Artikel auf diesem Blog untermauert werden, die zeigen, was oft die Konsequenz solcher Aufklärung war: Haft unter schlechtesten Bedingungen, KZ oder Todesstrafe.

(Quelle: B.J.J. Visser, M.S.C. (Herz-Jesu-Missionare): Gewalt Gegen Gewissen, Verlag Johann Wilhelm Naumann, Würzburg, 1974, S. 143-150)