Samstag, 1. November 2014

Der Krieg gegen die Kirche im Warthegau


Nach dem Sieg über Polen im Herbst 1939 wurden verschiedene Gebiete der Polnischen Republik dem Deutschen Reich einverleibt, darunter auch das Gebiet um Posen, das den Namen „Reichsgau Wartheland“ oder kurz Warthegau erhielt. Hier entfesselte sich der Kirchenkampf auf eine besonders extreme Weise. Msgr. Walter Adolph schreibt in seinem Buch Die katholische Kirche im Deutschland Adolf Hitlers, dass das Warthegau ein „Mustergau der NS-Religionspolitik für alle Gaue des Großdeutschen Reichs“ werden sollte.

Treibende Kraft hinter der Verfolgung der Kirche im Warthegau war laut Adolph der Leiter der Reichskanzlei und Kirchenfeind Martin Bormann. So setzte dieser durch, dass dem Reichskirchenministerium, dem Reichsinnenministerium und dem Auswärtigen Amt jedes Mitspracherecht in der Kirchenpolitik des Warthegaus genommen wurde und für die Religionspolitik einzig und allein die Reichskanzlei zuständig war. Diese gab am 10. Juli 1940 ein Schreiben mit 13 Punkten heraus, die das kirchliche Leben im Warthegau fast unmöglich machte. So gab es laut diesem Dokument „keine Kirchen mehr im staatlichen Sinne, nur religiöse Kirchengesellschaften im Sinne von Vereinen“, es bestehe „keine Beziehung mehr zu Gruppen außerhalb des Gaues, auch keine rechtlichen, finanziellen oder dienstlichen Bindungen an die Reichskirche“. Mitglied dieser „Vereine“ konnten nur Volljährige werden, die zunächst eine schriftliche Beitrittserklärung abgeben mussten. Weiter durften Deutsche und Polen nicht mehr zusammen in die Kirche gehen. Die „Vereine“ durften außer dem Vereinsbeitrag keine Zuschüsse erhalten und ebenso wenig eigene Gebäude, Häuser, Felder oder Friedhöfe besitzen; nur der „Kultraum“ war gestattet. Wohlfahrtspflege wurde untersagt. Klöster und Stiftungen werden aufgelöst, da diese „der deutschen Sittlichkeit und der Bevölkerungspolitik nicht entsprechen“. Schließlich durften sich nur Geistliche aus dem Warthegau in den „Vereinen“ betätigen, die dies zudem nicht „hauptamtlich“ taten, sondern nebenbei einen Beruf brauchten.

Doch dies war noch lange nicht genug. Die Seelsorgsarbeit wurde durch den von Ermordung und Inhaftierung herbeigeführten Priestermangel noch zusätzlich erschwert. Der größte Teil der Erzdiözese Posen, in der am 1. September 1939 noch 681 Weltpriester und 147 Ordensmitglieder wirkten, gehörte zum Warthegau. Bereits am 1. Oktober 1941 waren davon 451 in Gefängnissen oder KZs, 120 wurden in das Generalgouvernement abgeschoben, 74 waren erschossen worden oder im Konzentrationslager umgekommen, 12 waren vermisst und 22 wurden an der Amtsausübung gehindert. Von 30 Kirchen in der Stadt Posen waren am 1. Oktober 1942 noch ganze zwei für Polen und eine für Deutsche vorhanden. 13 Kirchen wurden versiegelt, weitere wurden als Lagerhallen, Reit- oder Musikschulen missbraucht. In den Erzdiözesen Gnesen und Posen durften die verbleibenden Kirchen nur Sonntags von 9 bis 11 Uhr geöffnet werden, was bei dem großen Andrang auf die Sakramente wie Kindertaufe und Beichte den Priestern kaum noch Zeit ließ, die Messe pünktlich bis 11 Uhr zu beenden.

Die Proteste von Priestern, den deutschen Bischöfen und Nuntius Orsenigo beim Reichsstatthalter für den Warthegau, Arthur Greiser, fielen auf taube Ohren.

(Quellen: Anonymous [wohl Msgr. Johann Neuhäusler]: The Persecution of the Catholic Church in the Third Reich, Walter Adolph: Die katholische Kirche im Deutschland Adolf Hitlers)

Sonntag, 26. Oktober 2014

Dieses Blog ist noch nicht tot...

...die Einträge brauchen hier nur etwas länger, weil ich die Artikel selbst schreiben muss. Deswegen widme ich in erster Linie den Missionen, in der nächsten Woche wird es aber hier wieder einen Artikel geben.

Sonntag, 27. Juli 2014

Einmaliges Zeitdokument – Ansprache vom seligen Clemens August von Galen nach seiner Rückkehr aus Rom

Diese Datei entstammt der Bildersammlung des Bistumsarchivs Münster, der Urheber ist Gustav Albers
Ich habe ein sehr interessantes Video mit einer einmaligen Tonaufnahme des seligen Kardinals von Galen nach seiner Rückkehr vom Konsistorium 1946 in Rom, wo er zum Kardinal erhoben wurde, gefunden. Kurz darauf starb der selige „Löwe von Münster“. Sehr ergreifend und absolut einmalig. Video ab Minute 3:53.

Mittwoch, 25. Juni 2014

„Die Wahrheit zu lehren und den Irrtum zu bekämpfen“ – der selige Märtyrer Pater Jakob Gapp


Eine der für mich beeindruckendsten Priestergestalten während der Kirchenverfolgung im Dritten Reich ist der Tiroler Maristenpater Jakob Georg Gapp. Er besaß zwei Tugenden, die heute so selten sind: Starkmut und Hass gegen den Irrtum. Sein furchtloses Auftreten gegen den Nationalsozialismus brachte ihm die Krone des Martyriums.

P. Jakob Gapp wurde am 26. Juli 1897 in Wattens, Tirol, geboren. Er ging 1915 als Freiwilliger im österreichischen Heer an die Italienfront, wo er am 6.11.1918 in der Nähe von Trient gefangengenommen wurde. Im August 1919 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft in die Heimat entlassen. P. Gapp sagte über sich selbst, dass er bis 1920, dem Jahr seines Eintritts bei den Maristen, keine eigentlichen religiösen Grundsätze hatte. Während den Exerzitien nach seinem Eintritt bei den Maristen gab ihm Gott eine große Reue über seine Sünden und Überzeugung vom katholischen Glauben. Er trat 1925 ins Priesterseminar ein und wurde am 5. April 1930 zum Priester geweiht. Er sagte bei einem späteren Verhör folgenden Satz, der klar erkennen lässt, dass er sich der Verantwortung seines Berufs als Priester vollkommen bewusst war:

„Ich hätte mich ja mit einer rein innerlichen Ablehnung des Nat. Soz. zufrieden geben können, so wie es viele Priester taten, aber ich sagte mir, dass es meine Pflicht wäre, als Priester der katholischen Kirche die Wahrheit auch zu lehren und den Irrtum zu bekämpfen…dass das Glaubensgut der kathol. Kirche nur dann gerettet und bewahrt bleiben könne, wenn es Katholiken und besonders katholische Priester gibt, die auch das Letzte einsetzen, die Sache der Kirche, die ich auch als die Sache Gottes erkannte, verteidigen…“

Nach seiner Weihe war Pater Gapp Erzieher an verschiedenen Schulen der Maristen. Vom Marieninstitut in Wiener Neustadt wurde er 1938 versetzt, nachdem er dem Direktor gesagt hatte, er könne den Hitlergruß nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, habe ihn schon vor dem Anschluss abgelehnt und den Schülern gesagt, dass der Nationalsozialismus für einen Katholiken unannehmbar sei. Auch lehnte er das Anstecken eines Hakenkreuzabzeichens ab.

Als Lehrer an einer Volks- und Hauptschule in Reuthe kam er wiederum mit der Schulleitung in Konflikt, nachdem ein junger nationalsozialistischer Kollege über Kirche und katholische Bräuche gespottet hatte und äußerte, dass man Tschechen und Juden umbringen müsse. Auf letzteres von den Schülern gefragt, äußerte sich P. Gapp ablehnend zu einer solchen Einstellung. Später musste er die Schule verlassen.

In seinem Heimatort Wattens hielt er am 11.12.1938 eine Predigt über weltanschauliche Fragen, in der er unter anderem den Papst gegen die Vorwürfe des Prunks verteidigte und sagte, das Parteihaus in München sei ja auch keine Hütte. Scharf kritisierte er, dass es noch Katholiken gab, die ein Buch wie den „Mythus des 20. Jahrhunderts“ lasen.

Anfang 1939 ging P. Gapp nach Frankreich, wo er kurzzeitig in Bordeaux Seelsorger an der Ordenskirche war und die französischen Katholiken um Gebet für die bedrängten katholischen Glaubensbrüder bat. Er äußerte sich in einem Verhör überrascht, wie gut die Katholiken in Frankreich über den Kirchenkampf im Reich informiert waren.

Im Verlauf des Jahres 1939 begab er sich nach Spanien, wo er sich vor Schülern an Ordensschulen kritisch gegenüber dem Nationalsozialismus äußerte. Er gab später an, dass er sich enttäuscht fühlte, dass in den spanischen Zeitungen, die sich gut katholisch gaben, die Verfolgung in Deutschland nicht thematisiert wurde. In einer Predigt in Valencia sagte er, dass, wenn es nicht genug tapfere Christen gäbe, „in hundert Jahren einmal die Neger aus Afrika kommen müssten, um Europa wieder zu christianisieren.“

Aus einem Bericht des Ordens an den Vater P. Gapps geht hervor, dass Gestapobeamte nach Spanien gesandt wurden, um den Pater aus dem neutralen Spanien in das besetzte Frankreich zu locken. Zu diesem Zweck gaben sie sich als jüdische Flüchtlinge aus, die angeblich konvertieren wollten. So lockten sie Pater Gapp am 9. November 1942 über den Grenzübergang Hendaye nach Frankreich.

Am 4. Juni 1943 wurde vor dem Volksgerichtshof in Berlin Anklage gegen Pater Gapp erhoben, er habe „durch eine planmäßige Hetze gegen das nationalsozialistische Reich sich fortgesetzt der Feindbegünstigung“ schuldig gemacht.

Furchtlos bekannt der selige Märtyrer vor Freisler und Beisitzern, dass für ihn das Gebot der Kirche und ihr Interesse über Volkszugehörigkeit und Vaterland gehe. Weil der Nationalsozialismus wie der Katholizismus einen weltanschaulichen Totalitätsanspruch erhebe, müsse er ihn bekämpfen und werde dies auch zeitlebens tun.

Am 2. Juli 1943 wurde er zum Tode verurteilt und für „für immer ehrlos“ erklärt. Am 13. August 1943, dem Datum der Vollstreckung im Gefängnis Berlin-Plötzensee, schrieb er seinen Verwandten: 


„dass ich nach schwerem Ringen doch so weit bin, dass ich den heutigen Tag als den schönsten meines Lebens betrachte…ich habe natürlich viele schwere Stunden mitgemacht, aber ich konnte mich sehr gut auf den Tod vorbereiten…alles geht vorüber, nur der Himmel nicht! ich bete für alle, auch für meine Heimat…“

Aus den Akten geht hervor, dass P. Gapp um 19.08 Uhr des 13. August enthauptet wurde. Pater Gapp war ruhig und gefasst und ließ sich ohne Widerstand auf das Fallbeilgerät legen. Von der Vorführung zur Vollstreckung dauerte die Hinrichtung 9
Sekunden.


Für Christus den Herrn werde ich immer Zeugnis ablegen! – Sel. P. Jakob Gapp S.M.



(Quelle: Benedicta Maria Kempner: Priester vor Hitlers Tribunalen)

Montag, 9. Juni 2014

Papst Pius XI. verurteilt die Vergötterung der Rasse



Aus der Note von Papst Pius XI. vom 14. Mai 1934 an die Reichsregierung:

„Menschliche Norm ist undenkbar ohne Verankerung im Göttlichen. Diese letzte Verankerung kann nicht liegen in einem gewillkürten ‚Göttlichen‘ der Rasse, nicht in der Verabsolutierung der Nation. 
Ein solcher ‚Gott‘ des Blutes und der Rasse wäre weiter nichts als das selbstgeschaffene Widerbild eigener Beschränktheit und Enge, eine Vergötterung kollektiven Stolzes, aber nicht das gläubige und demütige Anerkennen eines alles Geschöpfliche überragenden höchsten Seins, in dessen Vaterhand die ganze Menschheit geborgen ist als in ihrem Schöpfer, ihrem Erhalter und Lenker. (…) 

Die Kirche als Hüterin des Glaubenserbes Christ kann nicht widerstandslos zusehen, wenn der Jugend, der Trägerin der kommenden Generationen, statt der Frohbotschaft der Lehre Christi die Trutz- und Trugbotschaft eines neuen Materialismus der Rasse gepredigt wird und staatliche Institutionen hierzu missbraucht werden.“

(Quelle: Neuhäusler, Johann: Kreuz und Hakenkreuz, Verlag Katholische Kirche Bayerns, München, 1946, S. 378, Wikipedia „Rosenkranz-Demonstration“)

Dienstag, 27. Mai 2014

Papst Pius XI. über ein anderes Kreuz, das nicht das Kreuz Christi ist



Im Frühjahr 1938 war Hitler in Rom. Natürlich nicht beim Papst, sondern bei Mussolini. Zu dieser Zeit sagte Papst Pius XI. in einer Audienz:

„Traurige Ereignisse geschehen eben, wirklich traurige, sowohl in der Ferne wie auch ganz nahe. Ja, wahrhaft betrübliche Geschehnisse! Und unter diesen mag man wohl die Tatsache erwähnen, dass an dem Fest des heiligen Kreuzes hier öffentlich das Abzeichen eines anderen Kreuzes getragen wurde, das nicht das Kreuz Christi ist. Wir werden genug gesagt haben, wenn wir Euch sagen, wie notwendig es ist zu beten, viel zu beten, innig zu beten, dass uns Gottes Erbarmen nicht verlorgen gehe.“


(Quelle: Neuhäusler, Johann: Kreuz und Hakenkreuz, Verlag Katholische Kirche Bayerns, München, 1946, S. 14)

Montag, 26. Mai 2014

Tätliche Angriffe auf die deutschen und österreichischen Bischöfe

Matthias Ehrenfried, Bischof von Würzburg

Würzburg 1934, Angriff auf den Bischofshof, Zitat aus der päpstlichen Note vom 14.05.1934:

„Früchte dieser Toleranz von oben und des in gewissen Kreisen herangezogenen Geistes sind Vorgänge, wie die jüngst erfolgte Demonstration von etwa tausend Mann vor dem Bischofshof in Würzburg, davon ein Drittel in der Uniform von Nationalsozialisten und Hitlerjugend. (…) 

Aus der zusammengebrachten Menge fielen in vorbereiteten Sprechchören die Rufe: ‚Die schwarzen Jugendführer sollen gehängt werden! Der Bischof soll gehängt werden! Er ist Landesverräter und Volksverräter! Heraus mit der Politik aus der Kirche!‘ 
Der Bischof trat an das Fenster und sprach: ‚Wir tragen die Politik nicht in die Kirche! Wir verteidigen die Rechte der Kirche!‘ Darauf wurde mit einem Balken das Haustor eingerammt. 
Bei dieser Demonstration ereignete sich auch die schmachvolle Tatsache, dass die Veranstalter den Osterbrief des Hl. Vaters Satz für Satz verlasen und Satz für Satz von der durch sie aufgebotenen Parteimannschaft mit Pfui! beantworten ließen.“

Für diesen Übergriff wurde niemand zur Verantwortung gezogen, lediglich für die Zukunft ein „Demonstrationsverbot“ verhängt.



Casper Klein, Erzbischof von Paderborn
Aufsehen in ganz Deutschland erregte eine von der Hitlerjugend von langer Hand geplante Demonstration gegen den Erzbischof von Paderborn, Caspar Klein, am 12. Mai 1935 in Hamm. HJ-Mitglieder wurden durch mit „streng geheim“ gekennzeichneten Anschreiben dazu eingeladen. Die HJ wartete am Bahnhof auf den Erzbischof, um ihn dann mit Rufen wie „Devisenschieber“ und „Unserem Führer Adolf Hitler Sieg Heil!“ zu empfangen. Danach versuchten sie, den Erzbischof am Einsteigen in seinen Wagen zu hindern, wobei sich einige HJ-Mitglieder auf das Trittbrett des abfahrenden Autos stellten und versuchten, hineinzuspucken und diesen umzuwerfen. Die zu Hilfe eilende Bevölkerung wurde von der HJ mit gezücktem Ehrendolch angegriffen. Sie drängten sich weiter um den Wagen und schrien dabei: „Nieder mit dem Bischof! Wer bringt die Devisen ins Ausland? Die Pfaffen!“

Als der Erzbischof auf dem St.-Agnes-Kirchplatz angekommen war, gingen die Sprechchöre weiter: „Wer hat den Arbeitsdienstmann Koch ermordet? Die Pfaffen! - Wir haben nur einen Führer! Sieg Heil! Als man durch Zureden versuchte, die HJ zum Schweigen zu bringen, ging diese zum Angriff über und schlug wahllos auf Passanten ein. Erst durch Eintreffen eines Überfallkommandos der Polizei verschwand die HJ.


Auch Kardinal Faulhaber (Erzbischof von München-Freising) wurde Opfer eines Angriffs durch die braunen Horden. Als er am Christkönigsfest 1936 (25. Oktober) aus der Heilig-Kreuz Kirche in München auszog, schrien ihm „Stoßtruppleute der Deutschen Glaubensbewegung“ hasserfüllt entgegen: „Nieder! Nieder mit dir! Heil Hitler!“ und schlugen mit Fäusten und einem Stock auf das Auto des Kardinals ein. Hier kam es zwar zu einem Gerichtsprozess, dieser wurde jedoch im Oktober 1937 eingestellt.

Am 11. November 1938, zwei Tage nach den Reichspogromen, wurde der Erzbischöfliche Palais in München mit Steinen, darunter auch Ziegelsteinen, beworfen, wobei etwa 100 Fensterscheiben zu Bruch gingen. Das Einfahrtstor wurde mit einem Balken gerammt. Begleitet wurde dies durch die Rufe: „Raus! Raus! Nach Dachau! In Schutzhaft mit dem Hochverräter!
 Unter den Teilnehmern waren uniformierte Amtspersonen der Partei sowie der stellvertretende Gauleiter.

Bei der Fronleichnamsfest 1939 wurde Kardinal Faulhaber von einem Balkon als „Landesverräter“ beschimpft. Auch hier kam es zu keinem Prozess.


Theodor Kardinal Innitzer, Fürsterzbischof von Wien
Am 7. Oktober 1938 kam es zu Krawallen von Seiten junger Nationalsozialisten vor dem Erzbischöflichen Palais in Wien, nachdem Kardinal Innitzer der zu der sogenannten „Rosenkranz-Demonstration“ versammelten katholischen Jugend (6.000 Personen) vor dem Stephansdom zurief: „Ihr lieben jungen Freunde, lasst euch nicht abreden vom Glauben, wenn auch noch so viele gleißende Worte fallen.“ 

Am 8. Oktober stürmten die Nazis das Gebäude, wobei Statuen und Mobiliar zertrümmert und Bilder zerstört wurden. Der Domkurat Johannes Kawarik wurde vom Balkon geworfen, wobei er sich einen doppelten Oberschenkelbruch zuzog. Verurteilungen sind nicht bekannt.


Der Diener Gottes Bischof Joannes Baptista Sproll von Rottenburg
In Rottenburg wurden am 18. April 1938 die ersten Fenster am Bischofspalais eingeworfen. Am 23. Juli 1938 zog die Partei aus dem Umkreis von 50 km 3000 Nazis zusammen.

Zunächst wurde Feuer vor dem Gebäude gemacht und Feuerwerkskörper gezündet, dazu die Sprechchöre: „Schwarzer Zigeuner! Volksverräter! Heraus mit dem Lumpen!“ Anschließend wurden Fensterläden aufgestemmt und Türfüllungen gesprengt. 

Einige Personen drangen in die Kapelle ein, wo der Bischof Sproll von Rottenburg mit Erzbischof Gröber vor dem Allerheiligsten beteten. 20 Personen hielten sich etwa eine Viertelstunde lang, zum Teil mit brennenden Zigaretten im Mund und Mütze auf dem Kopf, in der Kapelle auf. 

Der einzige Bestrafte war Bischof Sproll selbst: er wurde bis zu Kriegsende der Diözese verwiesen. Er hatte sich geweigert, einen Stimmzettel abzugeben, mit dem er Kirchenfeinde wie Rosenberg hätte wählen müssen.

(Quelle: Neuhäusler, Johann: Kreuz und Hakenkreuz, Verlag Katholische Kirche Bayerns, München, 1946, S. 33-37, Wikipedia „Rosenkranz-Demonstration“)


Sonntag, 25. Mai 2014

Papst Pius XI. über die Verfolgung der katholischen Kirche im Nazireich (Weihnachtsansprache 1937)



„In Deutschland besteht wirklich eine religiöse Verfolgung. Seit einiger Zeit wird behauptet und verbreitet, dass es dort keine Verfolgung gäbe. Wir dagegen wissen, dass sie da ist, und zwar schwer. 
Es hat sogar nur in wenigen Fällen eine so schwere, wahrhaft besorgniserregende Verfolgung gegeben, die so betrübend in ihren tiefsten Wirkungen ist. Es ist eine Verfolgung, bei der es weder an der Gewaltanwendung noch an der Bedrückung durch Drohungen noch an verschlagenen und heuchlerischen Ränken fehlt. 
Niemand kann daran zweifeln, dass, wenn der Statthalter Christi von solchen Tatbeständen spricht, die seine Verantwortlichkeit aufs Engste berühren, dass er weniger gut unterrichtet ist oder die Dinge etwa verwechselt.“

(Quelle: Neuhäusler, Johann: Kreuz und Hakenkreuz, Verlag Katholische Kirche Bayerns, München, 1946, S. 14)

Mittwoch, 21. Mai 2014

Gegen „Grüß Gott“ und Heiligenbilder in Berchtesgaden


1936 fanden in Berlin die Olympischen Spiele statt. Anlässlich dieses Großereignisses wollte man sich wohl in der NSDAP-Kreisleitung Berchtesgaden betont „Führertreu“ geben und versandte dazu den Sonderdruck eines Artikels, in dem auf übelste Weise die Verwendung des traditionellen Grußes „Grüß Gott“ verspottet und gemahnt wird, auch ja den Hitlergruß zu benutzen. In dem von Kreisleiter Max Kammerer und dem Kurdirektor Dr. Max Berkmann unterschriebenen Dokuments heißt es unter anderem:

„Als wir kürzlich mit einem Ausländer durch die Straßen gingen, begegnete uns ein „Grüß-Gottler“. Sicher kein „Staatsfeind“, auch kein „Nazifresser“, aber halt ein „lieber, herzlicher, netter Grüß-Gottler“, desssen freundlicher Gruß auch gewiss nicht anders gemeint war, als ein freundlicher Gruß, der so hingesprochen wird. Als er wieder seines Weges ging, fragte unser Ausländer sehr erstaunt, ob dieser Mann ein Gegner des Führers sei! (…) Diese Gleichgültikgeit und Gedankenlosigkeit muss aufhören, insbesondere hier im Berchtesgadener Land - der Wahlheimat des Führers-, das auch in den nächsten Wochen von zahlreichen Olympiagästen besucht wird.“

In ähnliche Richtung ging die Wirtschaftsgruppe „Gaststätten- und Beherberungsgewerbe“ von Berchtesgaden-Laufen drei Jahre später. Im Januar 1939 wurden die Mitglieder in einem Zirkular aufgefordert, statt „Heiligenbildern und ähnlichem“ (gemeint ist wohl, wenn auch verschleiert, das Kruzifix) ein Bild von Hitler oder „eines der führenden Männer Deutschlands“ aufzuhängen.


(Quelle: Neuhäusler, Johann: Kreuz und Hakenkreuz, Verlag Katholische Kirche Bayerns, München, 1946, S. 251-253)

Dienstag, 13. Mai 2014

„Kitschig und unwahrhaft“ – Wieso die Nazis eine Missionszeitschrift verboten

Die Zeitschrift „Weltmission - Illustrierte Monatsschrift des Päpstlichen Werkes der Glaubensverbreitung“ vom Franziskus-Xaverius-Missionsverein in Aachen wurde am 27. August 1937 durch die Geheime Staatspolizeistelle Aachen mit Berufung auf §1 der Notverordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 bis auf weiteres verboten. Warum? Deshalb:

Infolge der kitschigen und unwahrhaften Art der Darstellung der Verhältnisse bei fremden Völkern und durch die Verherrlichung fremder Rassen gegenüber den Europäern ist das Verbot der genannten Zeitschrift notwendig geworden, da sie eine Gefahr für den nationalsozialistischen Staat tragenden Rassegedanken bildet.

Jeder Leser dieses Blogs weiß, dass die Darstellungen der fremden Völker weder kitschig sind noch „fremde Rassen“ verherrlichen, sondern lediglich die Realität widerspiegeln, wie sie die Missionare in den fremden Ländern vorgefunden haben. Es ist wenig überraschend, dass die Darstellung der positiven Eigenschaften der fremden Völker, besonders wenn diese sich bereits zum katholischen Glauben bekehrt hatten, nicht in das nationalsozialistische Konzept des „Untermenschen“ passte. Zudem ist das Ganze noch überaus anmaßend, da wohl die meisten Nazis niemals ein solches Land betreten haben und wohl kaum den Wahrheitsgehalt der gemachten Angaben überprüfen konnten. Ein anderer naheliegender und wahrscheinlicher Grund für das Verbot ist meiner Meinung nach die Liebe zum katholischen Glauben, zur Kirche und zu den Mitkatholiken weltweit sowie das Mitleid mit den Heidenvölkern, die diese Schriften in den Herzen der Gläubigen weckten.

In meinem persönlichen Besitz sind die letzten Missionshefte vor dem Krieg, sowohl die „katholischen Missionen“ als auch die „Weltmissionen der katholischen Kirche“, aus dem Jahr 1936. Auch bei ZVAB finden sich keine Ausgaben der Zeitschriften zwischen den Jahren 1938 und 1945. Die Inhaltszusammenfassung dieses Buchs legt nahe, dass die „katholischen Missionen“ und die „Weltmission der katholischen Kirche“ nach 1937 verboten wurden.


(Quelle: Adolph, Walter: Geheime Aufzeichnungen aus dem nationalsozialistischen Kirchenkampf 1935-1943, S. 146-147) 

Montag, 12. Mai 2014

Off-topic: Schwarze Messe auf Harvard-Campus

Heute Abend soll auf dem Campus der sog. „Eliteuniversität“ Harvard eine satanische Schwarze Messe „nachgestellt“ werden (siehe hier). Der liebe Gott mögen es Ihnen vergelten, wenn Sie in irgendeiner Form hierfür Sühne leisten, sei es durch Gebete, Opfer oder Almosen.

Sonntag, 11. Mai 2014

Unverdächtige Zeugen - Die Nazis über den Widerstand des Klerus und der Katholiken


Die Nazis äußerten sich schon früh nach der Machtergreifung missmutig über die ablehnende Haltung weiter katholischer Kreise. Der Historiker Dieter Albrecht schreibt im Vorwort zu Helmut Witetscheks Buch „Die kirchliche Lage in Bayern 1933-43, I, Oberbayern“, dass die darin veröffentlichten Berichte von Regierungspräsidenten und Polizei die „fortdauernde Existenz einer religiös fundierten Volksopposition“ belegen.

Bereits am 23. August 1933 ergeht ein Schreiben der NSDAP-Gauleitung Berlins an Adolf Hitler, in dem Folgendes berichtet wird:

Einen geschlossenen Block deutscher Volksgenossen, die innerlich unserer Bewegung noch ablehnend gegenüberstehen, bildet der größte Teil der früheren Zentrumskatholiken. Deren Führer, die Geistlichen, sind, abgesehen von einer kleinen Minderheit, uns immer noch feindlich gesinnt…Diese gewollte Passivität ist die Ursache, dass heute noch ein sehr großer Teil der katholischen Bevölkerung in der nationalsozialistischen Bewegung den Feind der katholischen Kirche sieht.

Es wird weiter beklagt, dass diesbezüglich von Seiten der Kirche eine „erlösende Tat“ fehle und diese von der höheren Geistlichkeit nicht zu erwarten sei.

Hitler selbst äußerte sich am 16. November 1936 gegenüber dem Führer der niederländischen Nationalsozialisten, Anton Mussert, der ihn um Hilfe gegen das Auftreten der niederländischen Bischöfe gegen seine Bewegung bat, dass er zwar nie den Kampf gesucht habe, die Kirche aber immer Widerstand geleistet habe. Überall in Europa bekämpfe sie die nationalen Bewegungen.

Auch die „Lageberichte“, die an höhere Regierungsautoritäten und Parteifunktionäre gerichtet waren und vom Reichsführer SS, Heinrich Himmler, ausgingen, wissen vom katholischen Widerstand zu berichten. Da heißt es: „So kommt es auf jedem Gebiete, wo der Nationalsozialismus mit dem Rassengedanken ernst macht, zu Angriffen von katholischer Seite.“ Auch wird der katholischen Kirche „Kampf gegen das Sterilisierungsgesetz“ und „Eintreten für das Judentum“ vorgeworfen. Schließlich heißt es, dass die Geistlichen, die sich voll und ganz zum Nationalsozialismus bekannten, „äußerst gering an Zahl“ seien und von ihren Mitbrüdern und vorgesetzten kirchlichen Behörden verfolgt würden. (Lagebericht Mai/Juni 1934)

Im Jahreslagebericht 1938 beklagt man, dass neben Kardinal Faulhaber und den Bischöfen Gröber und von Galen, die bereits als „gehässige Feinde des Nationalsozialismus“ bekannt seien, sich Weihbischof Sträter von Aachen „durch eine besonders hetzerische Darstellung des Kirchenkampfs“ hervorgetan habe und sich nicht scheute, „den Nationalsozialismus als satanische Macht zu bezeichnen.

Auch an den heiligen Stuhl wendet sich die NS-Regierung mit ihren Klagen, der Reichskanzler habe dem deutschen Episkopat die Hand entgegengestreckt, manche kirchliche Würdenträger ließen aber eine unberechtigte kritische Einstellung erkennen und viele jüngere Geistliche, besonders in Süddeutschland, machten aus ihrer Abneigung gegen das neue Reich kein Hehl.

Allein die Tatsache, dass eine sehr große Zahl der deutschen Katholiken gegen den Nationalsozialismus eingestellt war, legt nahe, dass der Klerus hier rege Aufklärungsarbeit geleistet hat. Dies soll durch weitere Artikel auf diesem Blog untermauert werden, die zeigen, was oft die Konsequenz solcher Aufklärung war: Haft unter schlechtesten Bedingungen, KZ oder Todesstrafe.

(Quelle: B.J.J. Visser, M.S.C. (Herz-Jesu-Missionare): Gewalt Gegen Gewissen, Verlag Johann Wilhelm Naumann, Würzburg, 1974, S. 143-150)

Die Zerstörung der katholischen Presse

Max Amman, Präsident der Reichspressekammer, einer der frühesten Hitler-Anhänger (Bundesarchiv, Bild 119-2186 / CC-BY-SA)

Fortsetzung von hier

4. Vernichtung der katholischen Presse:

Die neue NS-Regierung verlangte im Jahr 1933, dass die katholischen Verleger sich der Reichspressekammer unter Führung von Max Amann eingliedern sollten.
1933 wurden folgende katholische Zeitschriften verlegt: 84 Kirchenblätter, 51 Publikationen der Jugendpresse, 97 Publikationen der Verbandspresse, 39 Publikationen der Missionspresse, 51 Fachzeitschriften, 83 Publikationen der Unterhaltungspresse, 11 Nachrichtendienste. Allein in den Jahren 1933 bis 1935 stieg die Auflagenhöhe von 9,5 auf 11,5 Millionen.

Wohl hatten die Nazis zunächst gedacht, die katholische Presse bestünde aus ein Paar religiösen Erbauungsschriften für geistig mäßig Begabte. Sie mussten aber feststellen, dass diese Presse ein massives Bollwerk gegen die NS-Ideologie und ihre kirchenfeindliche Propaganda war. Folglich mussten entsprechende Maßnahmen getroffen werden. Am 24. April 1935 erließ Amann die „Anordnung zur Wahrung der Unabhängigkeit des Zeitungsverlagswesens“. Artikel 4 besagt:

Zeitungen dürfen nach ihrer inhaltlichen Gestaltung nicht auf einen konfessionell, beruflich oder interessenmäßig bestimmbaren Personenkreis abgestellt sein. Ein Verstoß hiergegen hat den Ausschluss des Zeitungsverlegers aus der Reichspressekammer zur Folge.

Alle Proteste im Namen aller deutschen Bischöfe durch Kardinal Bertram, einzelner anderer Bischöfe und des Heiligen Stuhls nutzten nichts. Unter den 950 Zeitungen, die in Folge dieser Anordnung eingestellt werden mussten, fanden sich auch zahlreiche katholische.

Als ob dies nicht reichen sollte, folgte am 17. Februar 1936 die Verordnung über die „Gestaltung der kirchlich-konfessionellen Presse“. Amann forderte, dass folgende Richtlinie zu beachten sei:

…dass die kirchlich-konfessionelle Presse nur die Aufgabe hat, die Angelegenheiten der Bekenntnisse in rein religiöser Beziehung zu behandeln...

So waren Stellungnahmen zur NS-Politik so gut wie unmöglich. Als weitere Maßnahmen wurden die folgenden Einschränkungen auf die katholische Pressearbeit angewandt:

1. Veröffentlichungen in kirchlichen Zeitschriften müssen rein religiös gestaltet werden.

2. Die Aufnahme von Anzeigen wurde auf ein Minimum beschränkt. So wurde den Zeitschriften eine wesentliche wirtschaftliche Stütze genommen.

Kardinal Bertram als Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz und Bischof Preysing als deren Pressereferent kämpften über ein Jahr für die katholische Presse. Am 24. März 1937 verwarf Goebbels ihre Proteste als unbegründet. So begann für die katholische Presse eine Phase des Niedergangs, von der sie sich nicht mehr erholen sollte.

Weniger abstrakt als diese rechtlichen Schritte waren konkrete Verbote wegen unliebsamen Inhalts. So z. B. im Fall der Münchener Katholische Kirchenzeitung wegen eines Artikels über den ersten Bischof von Münster, St. Liudger.
Darin hieß es: „Auch der erste Bischof von Münster war schon ein mutiger Kämpfer für die Rechte der Kirche.“ (wahrscheinlich verstand man dies als Wink auf das Auftreten des "Löwen von Münster", dem sel. Clemens August von Galen).

Generell mussten vor der Auslieferung der Kirchenzeitung zwei Exemplare zum Probelesen an die Polizei übermittelt werden, die bei Beanstandung die Vernichtung der gesamten Auflage anordnete, was wiederum zu großen wirtschaftlichen Schäden führte. Der Verkauf von apologetischen Broschüren und religiösen Flugblättern an den Kirchentüren wurde verboten.  Der Schriftleiter der Münchener katholischen Kirchenzeitung, Dr. Michael Höck, musste vier Jahre lang ins KZ.

Besonders extrem waren die Maßnahmen gegen die Druckereien und Verlage, die das päpstliche Rundschreiben „Über die Lage der katholischen Kirche in Deutschland“ von Papst Pius XI. verbreiteten. Sämtliche Personen, die die Schrift außerhalb von Kirchen und Pfarrhäusern verteilten, sollten verhaftet werden. Die verantwortlichen Druckereien wurden beschlagnahmt und das gesamte Vermögen eingezogen. So wurden die Buchdruckerei Valentin Höfling in München, der St.-Otto-Verlag in Bamberg, die Druckerei Wilhelm Metz in Aachen, die Resenberg'sche Buchdruckerei in Münster und die Druckerei Emmerich Herzig in Trier enteignet. Dr.Valentin Mayr, der Inhaber der Buchdruckerei Valentin Höfling, musste sogar noch weiterhin die Darlehen seines enteigneten Betriebs zurückzahlen.

(Quellen: Adolph, Walter: Die katholische Kirche im Deutschland Adolf Hitlers. Morus-Verlag, Berlin, S. 61-63 und Neuhäusler, Johann: Die Saat des Bösen. Mainz-Verlag, München, S. 101-107)



Mittwoch, 7. Mai 2014

Haben die Bischöfe zu lange geschwiegen?

Adolf Kardinal Bertram, Erzbischof von Breslau (unten im Text zitiert) und ab 1919 Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz. Leider hat Kardinal Bertram einen schlechten Ruf in Bezug auf seine Stellung zum Nationalsozialismus, wobei man anscheinend bestimmte „entlastende“Aussagen von ihm, wie die unten stehende, nicht beachtet hat. (Bundesarchiv, Bild 146-2005-0065 / Götz, H. / CC-BY-SA)

Vielleicht hört man zuweilen, dass die deutschen Bischöfe zu spät oder gar nicht das wahre Gesicht des Nationalsozialismus erkannt haben und gegen ihn aufgetreten sind. Dies ist nicht der Fall und lässt sich sehr leicht beweisen. 

Nachfolgend ein kurzes Zitat aus dem Buch „Die katholische Kirche im Deutschland Adolf Hitlers“, erschienen im Morus-Verlag. Der Autor war Msgr. Walter Adolph, der neben Weihbischof Neuhäusler wohl einer der bedeutendsten deutschen Autoren auf dem Gebiet des Kirchenkampfs im Dritten Reich ist. Das Zitat stammt aus einer Stellungnahme der Bischöfe der Kölner Kirchenprovinz zur nationalsozialistischen Bewegung, das Datum war der 05.03.1931, also fast zwei Jahre vor der Machtergreifung Hitlers.


„In Übereinstimmung mit einem Wort der bayerischen Oberhirten warnen wir im tiefen Ernst vor dem Nationalsozialismus, ‚so lange und so weit er kulturpolitische Auffassungen kundgibt, die mit der katholischen Lehre nicht vereinbar sind‘. Ausdrücklich machen wir uns als besondere Begründung dieser Warnung die Ausführung des Hochwürdigsten Herrn Kardinals und Erzbischofs von Breslau zu eigen, der in seinem ‚Offenen Mahnwort zur Jahreswende‘ schreibt: ‚Wir katholischen Christen kennen keine Rassenreligion, sondern nur Christi weltbeherrschende Offenbarung, die für alle Völker den gleichen Glaubensschatz, die gleichen Gebote und Heilseinrichtungen gebracht hat. Möge jedes Volk und jeder Stamm alles Edle seiner Eigenart in diesem Reiche des Königs Christus voll und ganz zur Entfaltung bringen‘, und weiter: ‚Wir Katholiken kennen kein nationales Kirchengebilde. Katholisch heißt allgemein. Ein Hirt und eine Herde rings auf dem Erdkreise: das ist der Grundplan des Reiches Christi, feierlich verkündigt vor seinem Kreuzestode. – Ein Hirt und eine Herde, das ist zugleich die Weihe des geistigen Bandes, das in der Völkerfamilie herrscht und durch keinerlei irdische Differenzen und Interessenskämpfe gelockert werden kann.“

Sonntag, 4. Mai 2014

Die antikatholischen Maßnahmen der Nazi-Regierung (Teil 1)


Um die systematische Verfolgung der katholischen Kirche, die bereits im ersten Post dieses Blogs erwähnt wurde, zu veranschaulichen, folgen hier einige Beispiele, die keineswegs erschöpfend sind. Die Quelle ist das Buch „Saat des Bösen – Kirchenkampf im Dritten Reich“ vom späteren Münchener Weihbischof Johann Neuhäusler, der selbst vom NS-Regime verfolgt und von 1941-1945 zunächst im KZ Sachsenhausen, dann in Dachau inhaftiert war.

1. Verbot bestimmter Predigtthemen:

Zu verbotenen Predigtthemen gehörten „Friede“, „Euthanasie“, „Sterilisierung“, Predigten über die Hetzschrift des Nazi-Ideologen Alfred Rosenberg „Der Mythus des 20. Jahrhunderts“. Gedruckte Predigten des Münchener Erzbischofs Michael Kardinal Faulhaber zum Alten Testament (er war Professor für Alttestamentliche Exegese und biblische Theologie) wurde in einigen Gauen verboten. Predigten wurden systematisch überwacht. Einzelnen Predigern, wie dem sel. P. Rupert Mayer S.J., wurde das Predigen vollständig untersagt.

2.  Einschränkung der Sakramentsspendung und geforderter Kirchenaustritt von Parteimitgliedern

Die Taufen der Kinder von SS-Männern wurden vielfach verboten. Die Wahl eines christlichen statt eines germanischen Taufnamens wurde sehr übel genommen. Auch die kirchliche Trauung wurde verboten. Der Leiter der NS-Arbeiterfront, Kurt Frey, wurde während seines Wehrmachturlaubs 1941 verhaftet, da er sich ohne Erlaubnis Himmlers hatte kirchlich trauen lassen. Bischof Neuhäusler selbst sollte in einem Gestapo-Verhör aussagen, welche Parteigrößen und höhere SS-Mitglieder sich in der Erzdiözese München-Freising hatten trauen lassen. Nachdem er eine Aussage kategorisch abgelehnt hatte, wurde ihm gedroht, dass er gar nicht mehr aus dem Gefängnis herauskäme. Seine Antwort darauf war: „Gut, dann muss ich eben herinnen bleiben.

Kirchenaustritte wurden gefordert und gefördert, und das nicht nur bei SS-Angehörigen, sondern auch in staatlichen Betrieben. Gleichzeitig wurde es den Seelsorgspriestern und Pfarrern verboten, wie üblich den Austritt von Personen öffentlich bekannt zu geben. Vor einer Beförderung in den Rängen der SS oder SA musste ein Kirchenaustritt nachgewiesen werden.

Die Abnahme der Beichte von polnischen Arbeitern war nur unter der Bedingung gestattet, dass dies nicht in Polnisch geschah. In den Gefängnissen und Konzentrationslagern wurde trotz verschiedenster Eingaben kirchlicherseits keinerlei Seelsorge, nicht einmal im Sterbefall, zugelassen. 
Priester, die „Nichtarier“ (sprich Juden) getauft hatten, wurden teilweise bestraft. Von den bischöflichen Ordinariaten wurden Statistiken solcher Taufen auf Jahre in die Vergangenheit verlangt. Sie wurden selbstverständlich verweigert.
Hinweise von Geistlichen auf kirchliche Ehebestimmungen, z. B. wenn sie davor warnten, geschiedene Personen zu „heiraten“ oder die Mahnung zur Regelung von ungültigen Ehen vor dem Empfang der Sterbesakramente, konnten leicht ins KZ führen.
 

3.  Einschränkung der Gottesdienste und religiöser Feste

Für die bereits erwähnten polnischen Arbeiter durfte nur einmal (!) im Monat eine Sonntagsmesse gelesen werden. Die Tageszeitungen durften keine Notizen von gottesdienstlichen Veranstaltungen aufnehmen. Durch zahlreiche sonntägliche „Naziveranstaltungen“ wurden die Gläubigen oft vom Messbesuch abgehalten. Bei einem Treffen des BdM (Bund deutscher Mädel) in Berlin wurde den Teilnehmerinnen, die im Zirkus Krone (kein Witz) untergebracht waren, der Messbesuch unmöglich gemacht, indem am Sonntagmorgen der Zirkus von SA Mitgliedern abgeriegelt war.

Die Nazi-Regierung strich ursprüngliche gesetzliche religiöse Feiertage wie Epiphanie, Allerheiligen und Mariä Himmelfahrt. Der 1. Mai hingegen blieb ein gesetzlicher Feiertag (kein Wunder, ist er doch einer der höchsten okkulten Festtage). Andere Feiertage, wie etwa Fronleichnam, wurden auf einen Sonntag verschoben.

Kirchliche Prozessionen, die für die Gesamtkirche vorgeschrieben waren, wie die Bitttage oder die Prozessionen am Markustag, wurden untersagt. Auch Pilgerfahrten nach Rom und zu anderen Wallfahrtsorten wurden durch Einwirkung auf die Eisenbahndirektionen unmöglich gemacht.

Die Teilnahme am Eucharistischen Weltkongress in Budapest im Jahr 1938 wurde deutschen Staatsangehörigen verboten. Fotografien vom Kongress, die sich im Besitz einzelner Gläubiger befanden, wurden beschlagnahmt und vernichtet.


Eine Gestapo-Anweisung aus dem Jahr 1941 zeigt die Methoden und Vorwände zur Verhinderung religiöser Feiern: 

Kirchenveranstaltungen am Abend können mit Rücksicht auf die Verdunkelungsvorschriften unterbunden werden. Prozessionen, Wallfahrten nach auswärts sind mit Rücksicht auf die überspannte Verkehrslage zu untersagen. Auch für örtliche Veranstaltungen der gleichen Art können verkehrstechnische Momente, aber auch Luftgefahr als Grundlage für ein Verbot dienen. (Ein Referent verbot mit Rücksicht auf die Abnutzung des Schuhzeugs [!] eine Prozession).

Fortsetzung folgt...

Samstag, 3. Mai 2014

Wieso dieses Blog?


Die Barracken des Konzentrationslagers Dachau, in dem zahlreiche katholische Geistliche, darunter auch Bischöfe, inhaftiert waren. 

Kürzlich habe ich mal wieder in dem Buch „Priester vor Hitlers Tribunalen“ von Benedicta Maria Kempner, der Frau des stellvertretenden US-Hauptanklägers bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen, gelesen. In diesem hervorragenden Werk wird die systematische Verfolgung katholischer Geistlicher im Nazi-Reich, ihre Bespitzelung, ihr heimtückischer Verrat und schließlich ihre Verurteilung durch Schauprozesse vor dem Volksgerichtshof oder anderen Gerichten, die häufig mit einem Todesurteil endeten, dokumentiert. Das Buch zeigt auf der einen Seite die Größe der Verurteilten, auf der anderen den dämonischen Hass der Verfolger, der oft nicht vor den perfidesten Methoden, wie etwa vorgetäuschten Bekehrungswünschen, halt machte, um die verhassten „Pfaffen“ „auszumerzen“.

Doch wie viele Katholiken wissen heute noch von dieser systematischen Verfolgung, die auf die vollkommene Zerstörung der katholischen Kirche in Deutschland abzielte? Wie viele kennen das heroische Beispiel dieser Märtyrer, die wählen mussten zwischen ihrem eigenen Leben oder der Verleugnung Christi? Wie viele Katholiken glauben vielleicht sogar die Lügen über Papst Pius XII. als „Hitlers Papst“ oder ähnliches?

All diese Punkte sollen auf dem neuen Blog behandelt werden. Ich hoffe, damit einen kleinen Beitrag dazu leisten zu können, dass das Andenken an die Märtyrer belebt wird und die geschichtliche Wahrheit zu diesem Thema größere Verbreitung findet. 

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass einige, wenn nicht alle Katholiken, die heute leben, eines Tages vor ähnliche Entscheidungen gestellt werden, wie es die Katholiken im Dritten Reich wurden. Mögen die Märtyrer bei Gott für uns Fürsprache halten, damit auch wir dann bereit sein mögen, lieber alles zu verlieren, als Christus zu verleugnen!