Mittwoch, 25. Juni 2014

„Die Wahrheit zu lehren und den Irrtum zu bekämpfen“ – der selige Märtyrer Pater Jakob Gapp


Eine der für mich beeindruckendsten Priestergestalten während der Kirchenverfolgung im Dritten Reich ist der Tiroler Maristenpater Jakob Georg Gapp. Er besaß zwei Tugenden, die heute so selten sind: Starkmut und Hass gegen den Irrtum. Sein furchtloses Auftreten gegen den Nationalsozialismus brachte ihm die Krone des Martyriums.

P. Jakob Gapp wurde am 26. Juli 1897 in Wattens, Tirol, geboren. Er ging 1915 als Freiwilliger im österreichischen Heer an die Italienfront, wo er am 6.11.1918 in der Nähe von Trient gefangengenommen wurde. Im August 1919 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft in die Heimat entlassen. P. Gapp sagte über sich selbst, dass er bis 1920, dem Jahr seines Eintritts bei den Maristen, keine eigentlichen religiösen Grundsätze hatte. Während den Exerzitien nach seinem Eintritt bei den Maristen gab ihm Gott eine große Reue über seine Sünden und Überzeugung vom katholischen Glauben. Er trat 1925 ins Priesterseminar ein und wurde am 5. April 1930 zum Priester geweiht. Er sagte bei einem späteren Verhör folgenden Satz, der klar erkennen lässt, dass er sich der Verantwortung seines Berufs als Priester vollkommen bewusst war:

„Ich hätte mich ja mit einer rein innerlichen Ablehnung des Nat. Soz. zufrieden geben können, so wie es viele Priester taten, aber ich sagte mir, dass es meine Pflicht wäre, als Priester der katholischen Kirche die Wahrheit auch zu lehren und den Irrtum zu bekämpfen…dass das Glaubensgut der kathol. Kirche nur dann gerettet und bewahrt bleiben könne, wenn es Katholiken und besonders katholische Priester gibt, die auch das Letzte einsetzen, die Sache der Kirche, die ich auch als die Sache Gottes erkannte, verteidigen…“

Nach seiner Weihe war Pater Gapp Erzieher an verschiedenen Schulen der Maristen. Vom Marieninstitut in Wiener Neustadt wurde er 1938 versetzt, nachdem er dem Direktor gesagt hatte, er könne den Hitlergruß nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, habe ihn schon vor dem Anschluss abgelehnt und den Schülern gesagt, dass der Nationalsozialismus für einen Katholiken unannehmbar sei. Auch lehnte er das Anstecken eines Hakenkreuzabzeichens ab.

Als Lehrer an einer Volks- und Hauptschule in Reuthe kam er wiederum mit der Schulleitung in Konflikt, nachdem ein junger nationalsozialistischer Kollege über Kirche und katholische Bräuche gespottet hatte und äußerte, dass man Tschechen und Juden umbringen müsse. Auf letzteres von den Schülern gefragt, äußerte sich P. Gapp ablehnend zu einer solchen Einstellung. Später musste er die Schule verlassen.

In seinem Heimatort Wattens hielt er am 11.12.1938 eine Predigt über weltanschauliche Fragen, in der er unter anderem den Papst gegen die Vorwürfe des Prunks verteidigte und sagte, das Parteihaus in München sei ja auch keine Hütte. Scharf kritisierte er, dass es noch Katholiken gab, die ein Buch wie den „Mythus des 20. Jahrhunderts“ lasen.

Anfang 1939 ging P. Gapp nach Frankreich, wo er kurzzeitig in Bordeaux Seelsorger an der Ordenskirche war und die französischen Katholiken um Gebet für die bedrängten katholischen Glaubensbrüder bat. Er äußerte sich in einem Verhör überrascht, wie gut die Katholiken in Frankreich über den Kirchenkampf im Reich informiert waren.

Im Verlauf des Jahres 1939 begab er sich nach Spanien, wo er sich vor Schülern an Ordensschulen kritisch gegenüber dem Nationalsozialismus äußerte. Er gab später an, dass er sich enttäuscht fühlte, dass in den spanischen Zeitungen, die sich gut katholisch gaben, die Verfolgung in Deutschland nicht thematisiert wurde. In einer Predigt in Valencia sagte er, dass, wenn es nicht genug tapfere Christen gäbe, „in hundert Jahren einmal die Neger aus Afrika kommen müssten, um Europa wieder zu christianisieren.“

Aus einem Bericht des Ordens an den Vater P. Gapps geht hervor, dass Gestapobeamte nach Spanien gesandt wurden, um den Pater aus dem neutralen Spanien in das besetzte Frankreich zu locken. Zu diesem Zweck gaben sie sich als jüdische Flüchtlinge aus, die angeblich konvertieren wollten. So lockten sie Pater Gapp am 9. November 1942 über den Grenzübergang Hendaye nach Frankreich.

Am 4. Juni 1943 wurde vor dem Volksgerichtshof in Berlin Anklage gegen Pater Gapp erhoben, er habe „durch eine planmäßige Hetze gegen das nationalsozialistische Reich sich fortgesetzt der Feindbegünstigung“ schuldig gemacht.

Furchtlos bekannt der selige Märtyrer vor Freisler und Beisitzern, dass für ihn das Gebot der Kirche und ihr Interesse über Volkszugehörigkeit und Vaterland gehe. Weil der Nationalsozialismus wie der Katholizismus einen weltanschaulichen Totalitätsanspruch erhebe, müsse er ihn bekämpfen und werde dies auch zeitlebens tun.

Am 2. Juli 1943 wurde er zum Tode verurteilt und für „für immer ehrlos“ erklärt. Am 13. August 1943, dem Datum der Vollstreckung im Gefängnis Berlin-Plötzensee, schrieb er seinen Verwandten: 


„dass ich nach schwerem Ringen doch so weit bin, dass ich den heutigen Tag als den schönsten meines Lebens betrachte…ich habe natürlich viele schwere Stunden mitgemacht, aber ich konnte mich sehr gut auf den Tod vorbereiten…alles geht vorüber, nur der Himmel nicht! ich bete für alle, auch für meine Heimat…“

Aus den Akten geht hervor, dass P. Gapp um 19.08 Uhr des 13. August enthauptet wurde. Pater Gapp war ruhig und gefasst und ließ sich ohne Widerstand auf das Fallbeilgerät legen. Von der Vorführung zur Vollstreckung dauerte die Hinrichtung 9
Sekunden.


Für Christus den Herrn werde ich immer Zeugnis ablegen! – Sel. P. Jakob Gapp S.M.



(Quelle: Benedicta Maria Kempner: Priester vor Hitlers Tribunalen)

Montag, 9. Juni 2014

Papst Pius XI. verurteilt die Vergötterung der Rasse



Aus der Note von Papst Pius XI. vom 14. Mai 1934 an die Reichsregierung:

„Menschliche Norm ist undenkbar ohne Verankerung im Göttlichen. Diese letzte Verankerung kann nicht liegen in einem gewillkürten ‚Göttlichen‘ der Rasse, nicht in der Verabsolutierung der Nation. 
Ein solcher ‚Gott‘ des Blutes und der Rasse wäre weiter nichts als das selbstgeschaffene Widerbild eigener Beschränktheit und Enge, eine Vergötterung kollektiven Stolzes, aber nicht das gläubige und demütige Anerkennen eines alles Geschöpfliche überragenden höchsten Seins, in dessen Vaterhand die ganze Menschheit geborgen ist als in ihrem Schöpfer, ihrem Erhalter und Lenker. (…) 

Die Kirche als Hüterin des Glaubenserbes Christ kann nicht widerstandslos zusehen, wenn der Jugend, der Trägerin der kommenden Generationen, statt der Frohbotschaft der Lehre Christi die Trutz- und Trugbotschaft eines neuen Materialismus der Rasse gepredigt wird und staatliche Institutionen hierzu missbraucht werden.“

(Quelle: Neuhäusler, Johann: Kreuz und Hakenkreuz, Verlag Katholische Kirche Bayerns, München, 1946, S. 378, Wikipedia „Rosenkranz-Demonstration“)