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Sonntag, 14. Juni 2015

Das Vorgehen der Nazis gegen katholische Priester (Teil 2 von X)


Oft reichte für die Verurteilung von katholischen Priestern (auch zum Tode) eine harmlose oder der Wahrheit entsprechende Aussage, aus der man dann ein Schwerverbrechen gegen den Staat konstruierte. Häufig ging man dabei auch mit List vor, so zum Beispiel mit vorgeblichen Konversionswünschen oder Glaubenszweifeln, die als Vorwand dienten, um mit den Priestern ins Gespräch über heikle Themen zu kommen und sie so in eine Falle zu locken. Nachfolgend einige kurze Beispiele:


Pfarrer Bernhard Schwentner aus Neustrelitz in Mecklenburg wurde am 15. September 1944 wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt und am 30. Oktober d. J. hingerichtet. Er hatte gegenüber einem Sturmführer des SS-Fliegerkorps, der einen geplanten Kirchenaustritt vorgab und in einem Gespräch behauptete, Hitler hätte eine göttliche Sendung, da er ja schon häufig vor Gefahren bewahrt wurde, gesagt: „Glauben sie ja nicht, dass das so leicht sei“ (wohl mit Anspielung auf bereits begangene Attentate). Im Prozess wurde ihm dies zum Verhängnis, da man daraus ohne weitere Beweise konstruierte, dass Pfarrer Schwentner ein Attentat gegen Hitler für schwierig aber wünschenswert hielt.

Pater Denis Chenault O.P. aus einem Pariser Dominikanerkloster sagte in einer Predigt, er hoffe, dass die Immoralität und die heidnischen Tendenzen in den Lagern der Hitlerjugend nicht auch nach Frankreich übergreifen würden. Er wurde denunziert, am 25. November 1941 verhaftet und zu einem halben Jahr Gefängnis verurteilt. Als ein Mitangeklagter in entlasten wollte, protestierte er und sagte: „Ich habe dies wirklich und wahrhaftig gesagt – und ich betrachte dies als mein Recht und meine Pflicht als Priester – ich werde nichts davon zurücknehmen.“ Er starb am 15. Juli 1943 in der Festung Sonnenburg des Hungertods. Ein Todesurteil war hier nicht nötig.

Pater Alois Grimm S.J. wurde von zwei Gestapospitzeln überführt, die besonders hinterlistig vorgingen. Einer der beiden besuchte ein halbes Jahr den Konvertitenunterricht und ließ auch sein Kind taufen, danach bat auch seine Frau um Unterricht. Auch brachte er einen Freund zu P. Grimm, einen „gläubigen Protestanten“, der angeblich von Sorge um die „Bekennende Kirche“ geplagt war. Nachdem die beiden P. Grimm wegen ihrer angeblichen Seelennot zu einem Treffen bewegten, lockten sie ihn mit gespielter Kritik am NS-Regime bzw. der Befürchtung der bevorstehenden Kriegsniederlage aufs Glatteis. Als er nach einer Messe in Tisis (Feldkirch, Tirol) verhaftet wurde, stand plötzlich der „gläubige Protestant“ vor ihm und höhnte: „Da ist er ja, der Sauhund – so muss man es bei euch Saukerlen machen, sonst kriegt man euch nicht.“
P. Grimm wurde vom Volksgerichtshof unter Freislers Vorsitz zum Tode wegen Wehrkraftzersetzung und Defätismus verurteilt und am 11. September 1944 hingerichtet. Freisler bezeichnte in der Verhandlung die hinterlistige Methode der Gestapoleute als „national bedeutsame Tat“ und sagte direkt vor der Urteilsverkündigung: „Wenn ich Fische angeln gehe, bediene ich mich verschiedenster Geräte. (…) Und wenn es gilt, Jesuiten zu angeln, dann muss man sich ganz besonderer Methoden bedienen. Dass das Angelgerät in diesem Fall das richtige war, haben Sie bewiesen; denn Sie haben den Köder geschluckt.“


(Quelle: Benedicta Maria Kempner: Priester vor Hitlers Tribunalen)

Mittwoch, 25. Juni 2014

„Die Wahrheit zu lehren und den Irrtum zu bekämpfen“ – der selige Märtyrer Pater Jakob Gapp


Eine der für mich beeindruckendsten Priestergestalten während der Kirchenverfolgung im Dritten Reich ist der Tiroler Maristenpater Jakob Georg Gapp. Er besaß zwei Tugenden, die heute so selten sind: Starkmut und Hass gegen den Irrtum. Sein furchtloses Auftreten gegen den Nationalsozialismus brachte ihm die Krone des Martyriums.

P. Jakob Gapp wurde am 26. Juli 1897 in Wattens, Tirol, geboren. Er ging 1915 als Freiwilliger im österreichischen Heer an die Italienfront, wo er am 6.11.1918 in der Nähe von Trient gefangengenommen wurde. Im August 1919 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft in die Heimat entlassen. P. Gapp sagte über sich selbst, dass er bis 1920, dem Jahr seines Eintritts bei den Maristen, keine eigentlichen religiösen Grundsätze hatte. Während den Exerzitien nach seinem Ordenseintritt gab ihm Gott eine große Reue über seine Sünden und Überzeugung vom katholischen Glauben. Er trat 1925 ins Priesterseminar ein und wurde am 5. April 1930 zum Priester geweiht. Der Selige sagte bei einem späteren Verhör folgenden Satz, der klar erkennen lässt, dass er sich der Verantwortung seines Berufs als Priester vollkommen bewusst war:

„Ich hätte mich ja mit einer rein innerlichen Ablehnung des Nat. Soz. zufrieden geben können, so wie es viele Priester taten, aber ich sagte mir, dass es meine Pflicht wäre, als Priester der katholischen Kirche die Wahrheit auch zu lehren und den Irrtum zu bekämpfen…dass das Glaubensgut der kathol. Kirche nur dann gerettet und bewahrt bleiben könne, wenn es Katholiken und besonders katholische Priester gibt, die auch das Letzte einsetzen, die Sache der Kirche, die ich auch als die Sache Gottes erkannte, verteidigen…“

Nach seiner Weihe war Pater Gapp Erzieher an verschiedenen Schulen der Maristen. Vom Marieninstitut in Wiener Neustadt wurde er 1938 versetzt, nachdem er dem Direktor gesagt hatte, er könne den Hitlergruß nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, habe ihn schon vor dem Anschluss abgelehnt und den Schülern gesagt, dass der Nationalsozialismus für einen Katholiken unannehmbar sei. Auch lehnte er das Anstecken eines Hakenkreuzabzeichens ab.

Als Lehrer an einer Volks- und Hauptschule in Reuthe kam er wiederum mit der Schulleitung in Konflikt, nachdem ein junger nationalsozialistischer Kollege über Kirche und katholische Bräuche gespottet hatte und äußerte, dass man Tschechen und Juden umbringen müsse. Auf letzteres von den Schülern gefragt, äußerte sich P. Gapp ablehnend zu einer solchen Einstellung. Später musste er die Schule verlassen.

In seinem Heimatort Wattens hielt er am 11.12.1938 eine Predigt über weltanschauliche Fragen, in der er unter anderem den Papst gegen die Vorwürfe des Prunks verteidigte und sagte, das Parteihaus in München sei ja auch keine Hütte. Scharf kritisierte er, dass es noch Katholiken gab, die ein Buch wie den „Mythus des 20. Jahrhunderts“ lasen.

Anfang 1939 ging P. Gapp nach Frankreich, wo er kurzzeitig in Bordeaux Seelsorger an der Ordenskirche war und die französischen Katholiken um Gebet für die bedrängten katholischen Glaubensbrüder bat. Er äußerte sich in einem Verhör überrascht, wie gut die Katholiken in Frankreich über den Kirchenkampf im Reich informiert waren.

Im Verlauf des Jahres 1939 begab er sich nach Spanien, wo er sich vor Schülern an Ordensschulen kritisch gegenüber dem Nationalsozialismus äußerte. Er gab später an, dass er sich enttäuscht fühlte, dass in den spanischen Zeitungen, die sich gut katholisch gaben, die Verfolgung in Deutschland nicht thematisiert wurde. In einer Predigt in Valencia sagte er, dass, wenn es nicht genug tapfere Christen gäbe, „in hundert Jahren einmal die Neger aus Afrika kommen müssten, um Europa wieder zu christianisieren.“

Aus einem Bericht des Ordens an den Vater P. Gapps geht hervor, dass Gestapobeamte nach Spanien gesandt wurden, um den Pater aus dem neutralen Spanien in das besetzte Frankreich zu locken. Zu diesem Zweck gaben sie sich als jüdische Flüchtlinge aus, die angeblich konvertieren wollten. So lockten sie ihr Opfer am 9. November 1942 über den Grenzübergang Hendaye nach Frankreich.

Am 4. Juni 1943 wurde vor dem Volksgerichtshof in Berlin Anklage gegen Jakob Gapp erhoben, er habe „durch eine planmäßige Hetze gegen das nationalsozialistische Reich sich fortgesetzt der Feindbegünstigung“ schuldig gemacht.

Furchtlos bekannt der selige Märtyrer vor Freisler und Beisitzern, dass für ihn das Gebot der Kirche und ihr Interesse über Volkszugehörigkeit und Vaterland gehe. Weil der Nationalsozialismus wie der Katholizismus einen weltanschaulichen Totalitätsanspruch erhebe, müsse er ihn bekämpfen und werde dies auch zeitlebens tun.

Am 2. Juli 1943 wurde er zum Tode verurteilt und für „für immer ehrlos“ erklärt. Am 13. August 1943, dem Datum der Vollstreckung im Gefängnis Berlin-Plötzensee, schrieb er seinen Verwandten: 


„dass ich nach schwerem Ringen doch so weit bin, dass ich den heutigen Tag als den schönsten meines Lebens betrachte…ich habe natürlich viele schwere Stunden mitgemacht, aber ich konnte mich sehr gut auf den Tod vorbereiten…alles geht vorüber, nur der Himmel nicht! ich bete für alle, auch für meine Heimat…“

Aus den Akten geht hervor, dass P. Gapp um 19.08 Uhr des 13. August enthauptet wurde. Pater Gapp war ruhig und gefasst und ließ sich ohne Widerstand auf das Fallbeilgerät legen. Von der Vorführung zur Vollstreckung dauerte die Hinrichtung 9
Sekunden.


Für Christus den Herrn werde ich immer Zeugnis ablegen! – Sel. P. Jakob Gapp S.M.



(Quelle: Benedicta Maria Kempner: Priester vor Hitlers Tribunalen)