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Montag, 18. November 2019

Der Kreuzweg der Steyler Missionsgesellschaft (Teil 1)

Glasfenster im Missionshaus St. Augustin bei Bonn



Nach einer Facebook-Diskussion mit einem amerikanischen Katholiken, der die NS-Regierung als „ziemlich tolerante sozialistische Regierung“ bezeichnete, griff ich zur Festschrift „75 Jahre im Dienste des göttlichen Wortes“ der Gesellschaft des göttlichen Wortes (besser bekannt als Steyler Missionsgesellschaft). Die gnadenlose und systematische Verfolgung der vom hl. Arnold Janssen gegründeten Ordensgemeinschaft allein beweist schon zur Genüge, dass von „ziemlich tolerant“ hier keinerlei Rede sein kann.

1. Systematische Untergrabung der Nachwuchsausbildung

In den Schulen für den Ordensnachwuchs mussten Teile der nationalsozialistischen Ideologie in den Lehrplan aufgenommen werden. Auch wurde von Ordensschülern die Teilnahme an Schulungskursen und -lagern verlangt, die von Parteimännern geleitet wurden. Die Ordensschule St. Johann im württembergischen Blönried war die erste, die geschlossen wurde, und das bereits 1936/37, sprich deutlich vor den großen Klosterstürmen in den Jahren ab 1940.

Die Schule St. Adalbert in der ostpreußischen Gemeinde Mehlsack wurde im Mai 1937 Zeuge eines Großeinsatzes der Polizei, die mit 40 Mann angerückt war, um die Schüler dazu zu drängen, ihre priesterlichen Erzieher unsittlicher Handlungen zu bezichtigen. Nachdem sich kein Schüler für derartige Verleumdungen hergab, wurde die Schule zunächst von den Behörden schikaniert und am 27. August 1937 wurde die Unterrichtserlaubnis allen Ordensgeistlichen der Schule entzogen. Am 1. April 1938 erfolgte die Schließung mit der Begründung, dass „die erforderlichen Lehrkräfte an der Schule nicht vorhanden“ sein.

Weitere Opfer der NS-Schulpolitik in den Jahren 1938 und 1939, entweder durch direkte Schließung oder durch Auflagen, die dasselbe Ergebnis verfolgten, waren die Schulen in Steyl, St. Peter in Tischenreuth, St. Paul in Wengenrohr und St. Bruno in Deutsch Krone.

Die Schulen wurden von der Regierung zu verschiedenen Zwecken umgewidmet, St. Adalbert war beispielsweise 1939 Reservelazarett, bevor es im folgenden Jahr eine NS-Bildungsanstalt beherbergte.

Das Missionspriesterseminar St. Augustin bei Bonn wurde am 4. August 1941 „staatspolizeilich gesichert“, alle verbleibenden Insassen – 522 Söhne des Hauses waren schon zum Wehrdienst eingezogen worden – mussten gehen. Am 27. März 1942 wurde mitgeteilt, dass der Reichsminister des Innern „den Grundbesitz des Hauses mit dem vorhandenen lebenden und toten Inventar zugunsten des Reiches eingezogen habe, weil das Vermögen des Hauses volks- und staatsfeindlichen Zwecken gedient habe und die Bestrebungen der Insassen des vorgenannten Hauses volks- und staatsfeindlich gewesen sein.“

Mittwoch, 29. Juli 2015

Wieso haben Papst und Bischöfe nicht mehr gemacht? – Pius XII. und Erzbischof Sapieha von Krakau

Papst Pius XII.

Immer wieder hört man den Einwand, Papst und Bischöfe hätten zu wenig gegen den Nationalsozialismus Stellung bezogen. Inwiefern dieser Vorwurf zutrifft, ist wohl kaum befriedigend zu beurteilen. Rückblickend ist es sicher immer leichter, Verfehlungen von anderen zu erkennen und in diesem Fall zu langes Zögern oder zu wenig festes Auftreten von bestimmten Mitgliedern der Hierarchie festzustellen.

Papst Pius XII. gab in einem Schreiben an den Berliner Bischof Konrad von Preysing vom 30. April 1943 den Grund für seine Zurückhaltung mit Äußerungen über den Nationalsozialismus an:

„Den an Ort und Stelle tätigen Oberhirten überlassen Wir es abzuwägen, ob und bis zu welchem Grade die Gefahr von Vergeltungsmaßnahmen und Druckmitteln im Falle bischöflicher Kundgebungen sowie andere vielleicht durch die Länge und Psychologie des Krieges verursachten Umstände es ratsam erscheinen lassen, trotz der angeführten Beweggründe, ad maiora mala vitanda [um größere Übel zu verhüten] Zurückhaltung zu üben. Hier liegt einer der Gründe, warum Wir selber Uns in Unseren Kundgebungen Beschränkungen auferlegen; die Erfahrung, die Wir im Jahre 1942 mit päpstlichen, von Uns aus für die Weitergabe an die Gläubigen freigestellten Schriftstücke gemacht, rechtfertig, soweit Wir sehen, Unsere Haltung.“

Dabei war der Papst zuvor sicher nicht untätig. Er ließ im Frühjahr 1942 ein geheimes Rundschreiben in polnischer Sprache mit dem Titel „Weltanschauliche Auseinandersetzung und Widerlegung des Nationalsozialismus“ durch Priester zum Erzbischof von Krakau, dem späteren Kardinal Adam Sapieha, schmuggeln. Einer der „Schmuggler“, Pfarrer Joseph Kaul von Marquartstein, berichtete: 

„Der Kardinal nahm ein Blatt zur Hand und fing an, es zu lesen. Plötzlich schlug er die Hände über dem Kopf zusammen, ließ das Blatt fallen und rief aus: ‚Um Gottes willen! Dieses Rundschreiben Sr. Heiligkeit kann ich unmöglich meinem Klerus übergeben, noch weniger meinem polnischen Volk bekanntgeben. Ein Exemplar in den Händen des SD [Sicherheitsdienst] und unsere Köpfe rollen, und die katholische Kirche in Polen ist verloren. Weiß der Heilige Vater nicht, wie es um uns steht? Diese Rundschreiben müssen sofort verbrannt werden.‘ Und sogleich warf er das ganze Paket ins Feuer.“
Adam Kardinal Sapieha, Erzbischof von Krakau

Zu dem Vorfall berichtet Msgr. Quirino Paganuzzi, der ebenfalls an dieser Aktion beteiligt war: „Ich erinnere mich noch an den Ausdruck des Schreckens bei Exzellenz Sapieha, der doch alles andere als furchtsam war.“ Weiter berichtet er die Worte des Erzbischofs über das selbst auferlegte Schweigen: „Die Lage ist die gleiche für alle Polen [wie für die verfolgten Juden]. Sie meinen, sie seien von Rom vernachlässigt und verlassen, während es Tatsache ist, dass wir Bischöfe die Botschaften und die Aufmunterungen des Papstes nicht öffentlich bekanntgeben können, um unsere Bevölkerung nicht größeren Vergeltungsmaßnahmen und noch schwereren Ketten seitens der deutschen Truppen und der deutschen politischen Polizei auszusetzen.“


(Quelle: Adolph, Walter: Kardinal Preysing und zwei Diktaturen. Sein Widerstand gegen die totalitäre Macht, Morus-Verlag, Berlin, 1971, S. 189)

Dienstag, 21. Juli 2015

Martin Bormanns „Geheimerlass“

Bundesarchiv, Bild 183-R14128A / CC-BY-SA
Am 6./7. Juni 1941 wurde ein Geheimerlass der Parteikanzlei von Reichsleiter Martin Bormann (Hauptperson hinter dem Krieg gegen die Kirche im Warthegau) an alle Gauleiter herausgegeben, in dem die Unvereinbarkeit der nationalsozialistischen und der christlichen Weltanschauung hervorgehoben wird. Er dient als Antwort auf das Bestreben der sog. „Deutschen Christen“, eine Evangelische Reichskirche zu gründen.

Dieses Schriftstück, wenn auch von Lächerlichkeiten nur so strotzend, dient als wichtiges Dokument der antichristlichen Einstellung des NS-Regimes. Obwohl gegen das Christentum als Ganzes gewendet, sind die Seitenhiebe auf Papst und katholische Kirche häufiger. Msgr. Walter Adolph drückte sich so über dieses Schreiben aus: 



„Was enthält an Gedankengut der Geheimerlass Bormanns? Verächtliche Worte über die christliche Religion, die aus jedem kommunistischem, antireligiösen Lehrbuch abgeschrieben sein könnten. Eine Ausdeutung der Kirchengeschichte des Mittelalters, welche die Spuren des Rosenbergschschen Geistes verrät. Hinzu kommen frivole Hiebe auf die göttliche Vorsehung, die jedem primitiven Freidenker Ehre machen. Es fehlen nicht einige pantheistische Hinweise auf Natur und Leben. Alles in allem eine grauenerregende Unkenntnis in Theologie und Geschichte. Und dieser Erlass kommt aus der Feder des Mannes, der nach Hitler die erste Stelle im ‚Großdeutschen Reich‘ einnahm.“ 

Dass Bormann nicht irgendwer, sondern die wichtigste Vertrauensperson Hitlers in den späteren Kriegsjahren war, sagte auch Hermann Göring bei den Nürnberger Prozessen aus: „Den entscheidenden Einfluss während des Krieges auf die Person des Führers, und zwar gerade vom Jahre ungefähr 1942 ab, nachdem Heß 1941 ausgeschieden war […], hatte Herr Bormann.“

Schauen wir uns nun die wichtigsten Stellen des „Geheimerlasses“ an.

Zur Beziehung zwischen Nationalsozialismus und Christentum:

„Nationalsozialistische und christliche Auffassungen sind unvereinbar. Die christlichen Kirchen bauen auf der Unwissenheit der Menschen auf und sind bemüht, die Unwissenheit möglichst weiter Teile der Bevölkerung zu erhalten, denn nur so können die christlichen Kirchen ihre Macht bewahren. Demgegenüber beruht der Nationalsozialismus auf wissenschaftlichen Fundamenten.“ (Eine ähnlich geistreiche Aussage – ohne den ersten und den letzten Satz – musste ich leider auch schon von einem Hochschulprofessor hören).

Vom Gottesbild der Nazis:

„Wenn wir Nationalsozialisten von einer Gottgläubigkeit sprechen, dann verstehen wir unter Gott nicht, wie die naiven Christen und ihre geistlichen Nutznießer, ein menschenähnliches Wesen, das irgendwo in der Sphäre herumsitzt. […] Die naturgesetzliche Kraft, mit der sich alle diese unzähligen Planeten im Weltall bewegen, nennen wir Allmacht oder Gott.“ 
(Dies war wohl, was Msgr. Adolph als „pantheistische Hinweise auf Natur und Leben“ und „grauenerregende Unkenntnis in Theologie“ bezeichnete.)

Von der Beziehung des NS-Staates zur Kirche:


„Alle Einflüsse, die durch den Führer mit Hilfe der NSDAP ausgeübte Volksführung beeinträchtigen oder gar schädigen könnten, müssen ausgeschaltet werden. Immer mehr muss das Volk den Kirchen und ihren Organen, den Pfarrern, entwunden werden.“

Dass damit die Stellung des NS-Regimes zur Kirche mehr als deutlich zur Schau tritt, und dass diese Stellung während der gesamten Zeit des Dritten Reichs auch in der Tat zum Ausdruck kam, wird man nur leugnen können, wenn man gegen alle Fakten an einer Kollaboration der Kirche mit dem NS-Regime festhalten möchte.


(Quelle: Adolph, Walter: Im Schatten des Galgens, Morus-Verlag, Berlin, 1953, S. 14–18)

Sonntag, 19. Juli 2015

Förderung des Kirchenaustritts


Der anonyme Author des Buches The Persecution of th Catholic Church in the Third Reich bemerkte, dass „die Geschichte der Kirchenaustrittskampagne eine der unangenehmsten der gesamten Kirchenverfolgung [ist], da sich der Nationalsozialismus vor allem hier bemühte, nie mit offenem Visier zu kämpfen“ (eigene Übersetzung). Die Parteispitze der NSDAP enthielt sich direkter Äußerungen in diese Richtung, die niederen Beamten und normale Parteimitglieder waren in dieser Hinsicht jedoch umso rühriger. (Bemerkung: die Austrittsbewegung erfasste sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche).

Im Deutschen Reich bestand ein Gesetz (aus Weimarer Zeiten?), dass Kinder unter 12 Jahren ohne deren Zustimmung von den Eltern von der Kirchenmitgliedschaft „abgemeldet“ werden konnten. In Österreich gab es ein solches Gesetz vor dem Anschluss nicht, es wurde dann aber auch im Frühling 1939 auf die „Ostmark“ ausgeweitet.

Besonders mussten die Nazis die in Sachen Kirchenaustritt noch bestehende Hemmung bei der Bevölkerung abbauen. Dazu musste ein „Feigenblatt“ eingeführt werden, um den Glaubensabfall zu bedecken. Es wurde neben den anerkannten Bekenntnissen auch die offizielle Bezeichnung „gottgläubig“ eingeführt, wobei die kirchlichen Behörden korrekt feststellten, dass diejenigen, „die in den Standesregistern als ‚gottgläubig‘ geführt werden, Personen sind, die den Dreifaltigen Gott, den Erlöser Jesus Christus und das wahre Christentum leugnen“. Es wäre darum eine Glaubensverleugnung, sich als Katholik vor dem Staat als „gottgläubig“ zu bezeichnen.

Eine weitere Barriere, die von den Nazis abgebrochen wurde, war die öffentliche Verkündigung der Namen von Personen, die aus der Kirche austraten. Es wurde sogar schon als strafwürdiges Vergehen betrachtet, wenn ein Geistlicher lediglich eine private Mitteilung an die Angehörigen der ausgetretenen Person machte. Der St. Gabriel-Bote [?] ( „Messenger of St. Gabriel“ im Original) aus München wurde verwarnt, da er 1937 über dieses Thema schrieb und die Ausdrücke „Abfall“ und „Loyalitätsbruch gegenüber Christus“ („lapse“ und „disloyality to Christ“ im Original) verwendete, die als „Beleidigung“ für die Abgefallenen betrachtet wurden.

Zu den Mitteln, die die Nazis verwendeten, um den Austritt zu fördern, gehörten die folgenden Maßnahmen:

1. Öffentliche Verkündigung des Kirchenaustritts von führenden Parteimitgliedern (es scheint paradox, weil die Nazis dies ja dem Klerus verboten hatten): zu den bekanntesten gehören u. a. der damalige Botschafter in London, von Ribbentrop, Reichsleiter Martin Bormann sowie die Gauleiter Mutschmann (Sachsen), Röver (Oldenburg) und Robert Wagner (Baden). Besonders auffällig waren die Austritte im Jahr 1936 und im Frühling 1937.

2. Versprechungen, Ermunterungen und Drohungen: Am 7. Juni 1935 gingen im Reichsbahnaussbesserungswerk Freimann zwei Partei- und Arbeitsfront-Funktionäre mit der Parole herum „Wer nicht austritt, ist kein richtiger Nationalsozialist“. Die Austrittswilligen wurden dann unentgeltlich mit dem Betriebswagen zum Standesamt gefahren. In einem anderen Fall wurde einem arbeitslosen Künstler von einem Gewerkschaftsführer angeboten, er könne sofort anfangen, zu arbeiten, wenn er aus der katholischen Kirche austritt. Beim SS-Reserve-Sturm 2/25 wurde nachgefragt, ob und wann die Zugführer und Unterführer aus der Kirche ausgetreten sind bzw. bis wann eventuell damit zu rechnen sei.

3. Die allgemeine antikirchliche Propaganda im Dritten Reich.

Alles in allem war die Austrittswelle trotz der starken Bemühungen (SA- und SS-Leute klagten immer wieder in ihren Pfarreien, dass sie dem sehr starken indirekten Druck nicht mehr standhalten könnten) recht gering. So waren für die erste Hälfte 1938 für die gesamte Erzdiözese Köln 8.495 Austritte zu verzeichnen. Eine stärkere Austrittsbewegung war in Österreich losgetreten worden, wo in Wien in den sechs Wochen nach dem Anschluss 46.000 Personen aus der Kirche austraten, während in Graz, der „Stadt der Volkserhebung“ im Jahr 1938 16.000 von 153.000 Einwohnern die katholische Kirche verließen. In Wien war wohl die antikirchliche Propaganda unter Staatsangestellten wie Lehrern, Polizei und Beamten sehr groß, wodurch sich die allein 2.000 ausgetretenen Polizisten erklären. In Graz war die Agitation gegen den Glauben noch deutlich stärker als in Wien. Doch auch in Österreich blieben die Zahlen hinter den Anstrengungen der Nazis zurück.


(Quellen: Anonymous [wohl Msgr. Johann Neuhäusler]: The Persecution of the Catholic Church in the Third Reich, S. 226-233; Neuhäusler, Johann: Kreuz und Hakenkreuz, Verlag Katholische Kirche Bayerns, München, 1946, S. 284–286)

Mittwoch, 25. Juni 2014

„Die Wahrheit zu lehren und den Irrtum zu bekämpfen“ – der selige Märtyrer Pater Jakob Gapp


Eine der für mich beeindruckendsten Priestergestalten während der Kirchenverfolgung im Dritten Reich ist der Tiroler Maristenpater Jakob Georg Gapp. Er besaß zwei Tugenden, die heute so selten sind: Starkmut und Hass gegen den Irrtum. Sein furchtloses Auftreten gegen den Nationalsozialismus brachte ihm die Krone des Martyriums.

P. Jakob Gapp wurde am 26. Juli 1897 in Wattens, Tirol, geboren. Er ging 1915 als Freiwilliger im österreichischen Heer an die Italienfront, wo er am 6.11.1918 in der Nähe von Trient gefangengenommen wurde. Im August 1919 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft in die Heimat entlassen. P. Gapp sagte über sich selbst, dass er bis 1920, dem Jahr seines Eintritts bei den Maristen, keine eigentlichen religiösen Grundsätze hatte. Während den Exerzitien nach seinem Ordenseintritt gab ihm Gott eine große Reue über seine Sünden und Überzeugung vom katholischen Glauben. Er trat 1925 ins Priesterseminar ein und wurde am 5. April 1930 zum Priester geweiht. Der Selige sagte bei einem späteren Verhör folgenden Satz, der klar erkennen lässt, dass er sich der Verantwortung seines Berufs als Priester vollkommen bewusst war:

„Ich hätte mich ja mit einer rein innerlichen Ablehnung des Nat. Soz. zufrieden geben können, so wie es viele Priester taten, aber ich sagte mir, dass es meine Pflicht wäre, als Priester der katholischen Kirche die Wahrheit auch zu lehren und den Irrtum zu bekämpfen…dass das Glaubensgut der kathol. Kirche nur dann gerettet und bewahrt bleiben könne, wenn es Katholiken und besonders katholische Priester gibt, die auch das Letzte einsetzen, die Sache der Kirche, die ich auch als die Sache Gottes erkannte, verteidigen…“

Nach seiner Weihe war Pater Gapp Erzieher an verschiedenen Schulen der Maristen. Vom Marieninstitut in Wiener Neustadt wurde er 1938 versetzt, nachdem er dem Direktor gesagt hatte, er könne den Hitlergruß nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, habe ihn schon vor dem Anschluss abgelehnt und den Schülern gesagt, dass der Nationalsozialismus für einen Katholiken unannehmbar sei. Auch lehnte er das Anstecken eines Hakenkreuzabzeichens ab.

Als Lehrer an einer Volks- und Hauptschule in Reuthe kam er wiederum mit der Schulleitung in Konflikt, nachdem ein junger nationalsozialistischer Kollege über Kirche und katholische Bräuche gespottet hatte und äußerte, dass man Tschechen und Juden umbringen müsse. Auf letzteres von den Schülern gefragt, äußerte sich P. Gapp ablehnend zu einer solchen Einstellung. Später musste er die Schule verlassen.

In seinem Heimatort Wattens hielt er am 11.12.1938 eine Predigt über weltanschauliche Fragen, in der er unter anderem den Papst gegen die Vorwürfe des Prunks verteidigte und sagte, das Parteihaus in München sei ja auch keine Hütte. Scharf kritisierte er, dass es noch Katholiken gab, die ein Buch wie den „Mythus des 20. Jahrhunderts“ lasen.

Anfang 1939 ging P. Gapp nach Frankreich, wo er kurzzeitig in Bordeaux Seelsorger an der Ordenskirche war und die französischen Katholiken um Gebet für die bedrängten katholischen Glaubensbrüder bat. Er äußerte sich in einem Verhör überrascht, wie gut die Katholiken in Frankreich über den Kirchenkampf im Reich informiert waren.

Im Verlauf des Jahres 1939 begab er sich nach Spanien, wo er sich vor Schülern an Ordensschulen kritisch gegenüber dem Nationalsozialismus äußerte. Er gab später an, dass er sich enttäuscht fühlte, dass in den spanischen Zeitungen, die sich gut katholisch gaben, die Verfolgung in Deutschland nicht thematisiert wurde. In einer Predigt in Valencia sagte er, dass, wenn es nicht genug tapfere Christen gäbe, „in hundert Jahren einmal die Neger aus Afrika kommen müssten, um Europa wieder zu christianisieren.“

Aus einem Bericht des Ordens an den Vater P. Gapps geht hervor, dass Gestapobeamte nach Spanien gesandt wurden, um den Pater aus dem neutralen Spanien in das besetzte Frankreich zu locken. Zu diesem Zweck gaben sie sich als jüdische Flüchtlinge aus, die angeblich konvertieren wollten. So lockten sie ihr Opfer am 9. November 1942 über den Grenzübergang Hendaye nach Frankreich.

Am 4. Juni 1943 wurde vor dem Volksgerichtshof in Berlin Anklage gegen Jakob Gapp erhoben, er habe „durch eine planmäßige Hetze gegen das nationalsozialistische Reich sich fortgesetzt der Feindbegünstigung“ schuldig gemacht.

Furchtlos bekannt der selige Märtyrer vor Freisler und Beisitzern, dass für ihn das Gebot der Kirche und ihr Interesse über Volkszugehörigkeit und Vaterland gehe. Weil der Nationalsozialismus wie der Katholizismus einen weltanschaulichen Totalitätsanspruch erhebe, müsse er ihn bekämpfen und werde dies auch zeitlebens tun.

Am 2. Juli 1943 wurde er zum Tode verurteilt und für „für immer ehrlos“ erklärt. Am 13. August 1943, dem Datum der Vollstreckung im Gefängnis Berlin-Plötzensee, schrieb er seinen Verwandten: 


„dass ich nach schwerem Ringen doch so weit bin, dass ich den heutigen Tag als den schönsten meines Lebens betrachte…ich habe natürlich viele schwere Stunden mitgemacht, aber ich konnte mich sehr gut auf den Tod vorbereiten…alles geht vorüber, nur der Himmel nicht! ich bete für alle, auch für meine Heimat…“

Aus den Akten geht hervor, dass P. Gapp um 19.08 Uhr des 13. August enthauptet wurde. Pater Gapp war ruhig und gefasst und ließ sich ohne Widerstand auf das Fallbeilgerät legen. Von der Vorführung zur Vollstreckung dauerte die Hinrichtung 9
Sekunden.


Für Christus den Herrn werde ich immer Zeugnis ablegen! – Sel. P. Jakob Gapp S.M.



(Quelle: Benedicta Maria Kempner: Priester vor Hitlers Tribunalen)

Mittwoch, 7. Mai 2014

Haben die Bischöfe zu lange geschwiegen?

Adolf Kardinal Bertram, Erzbischof von Breslau (unten im Text zitiert) und ab 1919 Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz. Leider hat Kardinal Bertram einen schlechten Ruf in Bezug auf seine Stellung zum Nationalsozialismus, wobei man anscheinend bestimmte „entlastende“Aussagen von ihm, wie die unten stehende, nicht beachtet hat. (Bundesarchiv, Bild 146-2005-0065 / Götz, H. / CC-BY-SA)

Vielleicht hört man zuweilen, dass die deutschen Bischöfe zu spät oder gar nicht das wahre Gesicht des Nationalsozialismus erkannt haben und gegen ihn aufgetreten sind. Dies ist nicht der Fall und lässt sich sehr leicht beweisen. 

Nachfolgend ein kurzes Zitat aus dem Buch „Die katholische Kirche im Deutschland Adolf Hitlers“, erschienen im Morus-Verlag. Der Autor war Msgr. Walter Adolph, der neben Weihbischof Neuhäusler wohl einer der bedeutendsten deutschen Autoren auf dem Gebiet des Kirchenkampfs im Dritten Reich ist. Das Zitat stammt aus einer Stellungnahme der Bischöfe der Kölner Kirchenprovinz zur nationalsozialistischen Bewegung, das Datum war der 05.03.1931, also fast zwei Jahre vor der Machtergreifung Hitlers.


„In Übereinstimmung mit einem Wort der bayerischen Oberhirten warnen wir im tiefen Ernst vor dem Nationalsozialismus, ‚so lange und so weit er kulturpolitische Auffassungen kundgibt, die mit der katholischen Lehre nicht vereinbar sind‘. Ausdrücklich machen wir uns als besondere Begründung dieser Warnung die Ausführung des Hochwürdigsten Herrn Kardinals und Erzbischofs von Breslau zu eigen, der in seinem ‚Offenen Mahnwort zur Jahreswende‘ schreibt: ‚Wir katholischen Christen kennen keine Rassenreligion, sondern nur Christi weltbeherrschende Offenbarung, die für alle Völker den gleichen Glaubensschatz, die gleichen Gebote und Heilseinrichtungen gebracht hat. Möge jedes Volk und jeder Stamm alles Edle seiner Eigenart in diesem Reiche des Königs Christus voll und ganz zur Entfaltung bringen‘, und weiter: ‚Wir Katholiken kennen kein nationales Kirchengebilde. Katholisch heißt allgemein. Ein Hirt und eine Herde rings auf dem Erdkreise: das ist der Grundplan des Reiches Christi, feierlich verkündigt vor seinem Kreuzestode. – Ein Hirt und eine Herde, das ist zugleich die Weihe des geistigen Bandes, das in der Völkerfamilie herrscht und durch keinerlei irdische Differenzen und Interessenskämpfe gelockert werden kann.“