Sonntag, 13. März 2016

Die Geschwister Löb – fünf Trappisten in Auschwitz

Abtei Koningshoeven (Hans Lenting)

Eine besonders bewegende Geschichte aus der Verfolgung der jüdischstämmigen Katholiken der Niederlande im Sommer 1942 ist die der Geschwister Löb. Von den sieben Kindern der jüdischen Konvertiten Lutz und Jenny Löb traten sechs in den Trappistenorden ein. Die drei Brüder Georg (Pater Ignatius), Robert (Bruder Linus) und Ernst (Pater Nivardus) waren Mönche in der Abtei N. D. de Konigshoeven in Tilburg, während die Schwestern Lien (Schwester Hedwige), Door (Schwester Maria-Theresia) und Louise (Schwester Veronica) in die Frauenabtei N. D. de Koningsoord in Berkel-Enschot eintraten.

Anfang August 1942 klopfte die Gestapo auf der Suche nach katholischen Juden auch an den Klosterpforten der Trappisten an. Bruder Linus diente gerade seinen beiden älteren Brüdern bei deren (letzten) Messen. Bei der Verhaftung der Schwestern wurde Schwester Veronika übersehen. Schwester Hedwige sagte beim Verlassen der Abtei „Ich habe soeben dem Herrn gesagt: ‚Ich übergebe mich Dir ganz, tue mit mir, was Du willst.‘“ Friedlich lächelnd ging sie dann, um sich von ihrer Äbtissin zu verabschieden.

Es folgte die Deportation nach Ausschwitz, wo die Geschwister im Spätsommer und Frühherbst desselben Jahres den Tod fanden. Die „vergessene“ Schwester Veronika starb zwei Jahre später eines natürlichen Todes in der Abtei.

Auf der Seite der Abtei Koningshoeven ist eine ausführlichere Lebensbeschreibung der Familie und der Geschwister zu befinden (siehe hier). Gewisse Dinge in der Vita der bekehrten Eltern, so etwa das Anzünden von Kerzen am Freitagabend bzw. die Beschneidung der ersten männlichen Kinder, sind vom katholischen Standpunkt objektiv judaisierend und abzulehnen – wenn sie denn so vorgefallen sind; eine ausführlichere Lebensbeschreibung der Familie Löb erwähnt diese Aspekte nicht. In den lesenswerten biographischen Abrissen der Geschwister (ab der Seite 7) finden sich derartige judaisierende Aspekte zumindest nicht mehr. Es gab bzw. gibt Bestrebungen zur Einleitung des Seligsprechungsprozesses der fünf Trappistengeschwister.

Samstag, 30. Januar 2016

Priesterblock-Insasse zum Märtyrer erklärt

P. Engelmar Unzeitig SMM (Quelle: Mariannhiller Missionare)

Kürzlich hat Papst Franziskus den Mariannhiller Missionar und Dachauhäftling P. Engelmar Unzeitig SMM offiziell zum Märtyrer erklärt. Es wird wohl bald die Seligsprechung folgen. Hier eine Biografie des Blutzeugen.

Mittwoch, 6. Januar 2016

Zur Problematik des Martyriums der heiligen Edith Stein


Es gibt nach wie vor Personen (sowohl Katholiken als auch Juden), die anzweifeln, dass Edith Stein wegen Ihrer jüdischen Abstammung und nicht wegen Ihres Glaubens den Tod im KZ Auschwitz gefunden hat. Darum sei ihr Tod kein Martyrium im strengen Sinne.

Vor kurzem fand ich beim Durchblättern des Buchs „Im Schatten des Galgens“ von Msgr. Walter Adolph einen Brief des niederländischen Generaldirektors Dr. Lenig, der mit Edith Stein bzw. Schwester Theresia Benedicta a Cruce, wie sie im Karmeliterorden hieß, im niederländischen Amerfoort interniert war. Seine Schilderung der Umstände lässt an dem Argument zweifeln, dass sie lediglich wegen Ihrer jüdischen Herkunft ermordet wurde. 


Der Brief wurde an die Priorin des Karmels in Köln geschrieben, in das die Heilige 1933 eintrat, bevor sie wegen der Judenverfolgung im Reich 1938 nach Echt in den Niederlanden ging. Der Brief stammt vom 8. April 1947. Nachfolgend die wichtigste Passage:

„Schwester Theresia Benedicta a Cruce, die im Lager Edith Stein hieß, traf ich am 2. August des Jahres 1942 in dem als Durchgangslager bezeichneten Lager Amersfort [sic], wenn ich mit völlig irre, in Baracke Nr. 9. An diesem Sonntag wurden alle Katholiken teiljüdischer oder jüdischer Abstammung von den deutschen Henkersknechten als Antwort auf einen Hirtenbrief, der Sonntag zuvor von allen niederländischen Kirchenkanzeln verlesen worden war, verhaftet, hinweggeschleppt und zunächst (meistens) in Amersfort gesammelt, um von dort hinweggeführt zu werden zu den Gaskammern und den Krematorien (…) Zu erwähnen sei, dass zunächst einmal alle entlassen wurden, die versehentlich mitgenommen worden waren, also Protestantische, griechische (bulgarisch) Orthodoxe usw. (…)“

Wie man den letzten Satz nun dreht und wendet, man kommt nur zu dem Schluss, dass das Objekt der Verfolgung Katholiken waren. Der Teil, den ich der Knappheit halber ausgelassen habe, liefert keine Anhaltspunkte, dass es sich bei den genannten entlassenen Christen um Nicht-Juden handelte. Und selbst dann wurden eben keine Katholiken, sondern nur Anhänger anderer Konfessionen entlassen.


(Quelle des Zitats: Adolph, Msgr. Walter: Im Schatten des Galgens, Morus-Verlag, Berlin, 1953, S. 88)

Sonntag, 22. November 2015

Erzbischof Scheptyzkyjs Widerstand gegen die Nazis

der ehrwürdige Andrej Scheptyzkyj O.S.B.M., griechisch-katholischer Erzbischof von Lemberg

Die blutige Sowjetbesatzung in der Ukraine wurde im Frühsommer 1941 durch das schnelle Vorrücken der Wehrmacht im Osten verdrängt. Die Bevölkerung betrachtete die Deutschen zunächst als Befreier. Nach der Vertreibung der Sowjets riefen die Ukrainer einen selbstständigen ukrainischen Staat aus. Doch bald wurde der Bevölkerung klar, dass die antichristlichen Bolschewiken nur durch die nächsten Besatzer ersetzt wurden. „Das Regime Hitlers war, gleichermaßen wie das bolschewistische, feindlich zur Religion, zum ukrainischen Volk und seiner Kirche eingestellt“, so Dr. Gregor Prokoptschuk. Dies zeigt sich dadurch, dass Himmler das Oberhaupt der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, Erzbischof Andrej Scheptyzkyj, nach seinem ersten Hirtenbrief unter Naziherrschaft (wohl „Du sollst nicht töten!“) verhaften lassen wollte. Aufgrund der gesellschaftlichen Stellung des Erzbischofs als wichtigster Vertreter des ukrainischen Volkes ließen die Nazis aber schließlich davon ab.

Erzbischof Andrej sprach sich auch entschieden bei Himmler gegen die Verfolgung der Juden aus. Nach den Morden an den Juden von Rohatyn schickte der Erzbischof eine Protestnote an den Reichsführer SS. Der Rabbiner Dr. Herzog sagte: „Diese Tat erregte seinerzeit großes Aufsehen, denn sie war ein Akt überlegenen Mutes. Hat doch damals in Europa niemand es gewagt, gegen die grausamst wütende Gestapo öffentlich für die Juden einzutreten.“ 


Der Erzbischof schrieb eine weitere Protestnote, nachdem er erfahren hatte, dass die Gestapo Angehörige der ukrainischen Miliz zur Teilnahme an den Massakern gezwungen hatte. Das Ergebnis war, dass die Gestapo auf weitere Zwangsrekrutierungen von Milizionären verzichtete. Metropolit Scheptyzkyj war auch dafür bekannt, zahlreichen Juden, darunter auch vielen Kindern, Unterschlupf in katholischen Klöstern zu gewähren.

Durch den am 17. Juli 2015 vom Papst erklärten heroischen Tugendgrad ist der Seligsprechungsprozess nun weiter vorangeschritten. Erzbischof Andrej Scheptyzkyjs Titel ist jetzt „ehrwürdiger Diener Gottes“. Er ist auch mitverantwortlich für die Gründung des ukrainischen Zweigs der Redemptoristen (byzantinischer Ritus), der mehrere Märtyrer unter der Sowjetherrschaft hervorgebracht hat.

Montag, 16. November 2015

Interview mit Ryan Grant von Athanasius Contra Mundum

Priester im KZ Dachau
Anfang Oktober hat mich Ryan Grant vom bekannten amerikanischen Blog Athanasius contra Mundum eingeladen, in seiner Podcast-Serie Audio Sapere über die Verfolgung der Kirche im Dritten Reich zu sprechen. Die Tonqualität ist anfangs auf meiner Seite nicht so gut, wird aber später besser. Das Interview ist sicherlich auch für alle Leser interessant, die dieses Blog regelmäßig lesen. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle an Ryan, der seine kostbare Zeit zur Verfügung gestellt hat.


Interview 024 – Constantine Molitor on the Persecution of the Church in Germany under the Third Reich (der Name ist ein Pseudonym)



Freitag, 6. November 2015

Der erste deutsche Priester im KZ Dachau



Am 11. Juni 1940 kam Pfarrer Fritz Seitz von Schallodenbach (Rheinland-Pfalz) als erster reichsdeutscher Priester ins KZ Dachau. Reinhard Heydrich hatte persönlich seinen Schutzhaftbefehl unterschrieben. Mehr zu seiner Geschichte hier.

Dienstag, 11. August 2015

Klosterraub

Erzabtei Sankt Ottilien (Rufus46)

Ähnlich wie in vielen anderen Kirchenverfolgungen (Heinrich VIII. in England, Kulturkampf, Spanischer Bürgerkrieg etc.) vergriffen sich auch die Nazis an den Klöstern. Es wurden wohl im gesamten Reich (einschl. eroberte Westgebiete und Österreich) über 100 Klöster konfisziert, darunter so berühmte Einrichtungen wie der Stift Heiligenkreuz, die Erzabtei Sankt Ottilien, das Oblatenkloster in Hünfeld (O.M.I.) und der Stift Klosterneuburg.

Nachfolgend die Schilderung einiger Einzelvorgänge:

Das Dominikanerkloster Retz (Erzbistum Wien) wurde am 12.09.1940 von einer fünfköpfigen Kommission unter Führung des Kreisleiters Schuster besichtigt, da man „die freien Räumlichkeiten“ sehen wollte. Nach der Besichtigung des gesamten Klosters verabschiedeten die Männer sich wieder, ohne einen Grund angegeben zu haben. Tags darauf wurde den Dominikanern durch die Gendarmarie mitgeteilt, das Kloster sei bis 18 Uhr zu räumen. Die Insassen sollten sehen, wo sie unterkommen könnten. Unter ihnen waren ein 82-jähriger und ein Mönch mit fortschreitender Tuberkulose. Das Haus wurde darauf umfangreichen Umbaumaßnahmen unterzogen.

Noch viel schlimmer kam es in anderen Klöstern, wo man sich direkt an heiligen Gefäßen, Messstipendien und anderem Kirchenvermögen „bediente“, so z. B. bei der Beschlagnahmung der Missionsklöster Sankt Ottilien, Schweiklberg und Münsterschwarzach. Hier wurde das gesamte Vermögen des Missionsvereins „Liebeswerk des hl. Benedikt“ eingezogen. Im Franziskanerkloster von Hall in Tirol sowie im Kapuzinerkloster von Innsbruck wurden Messstipendiengelder geraubt.

Als der Benediktinerstift St. Gallus in Bregenz (in Schweizer Besitz) am 2. Januar 1941 beschlagnahmt wurde, zog man das gesamte Kirchengerät, Paramente, geweihte Gefäße, Kelche sowie Monstranzen ein. Ein mit konsekrierten Hostien gefülltes Ziborium musste in eine andere Kirche getragen, dort entleert und anschließend an die sakrilegische Staatsmacht übergeben werden. Ein Grund für die Beschlagnahmung des Klosters wurde nicht gegeben.

Neben der bei Jesuitenklöstern sehr häufigen Begründung „Staatsfeindlichkeit“ (was auch immer darunter zu verstehen ist) gab es auch skurrilere Angaben als Grund für Klosterbeschlagnahmungen, wie etwa „Wir brauchen ein Altersheim“ für das Redemptoristenkloster Aachen, „Haus steht im Wege“ beim Kapuzinerkloster in Bludenz, oder aber „Schlachtverfehlung“ bzw. „Lebensmittelverfehlung“ bei verschiedenen anderen Klöstern. Bei der Erzabtei Sankt Ottilien war anscheinend das „Liebeswerk des hl. Benedikt“, ein Missionsverein, der 50 Jahre lang als eingetragener Verein bestanden hatte, einer der Konfiszierungsgründe: „Das Kloster hat große Summen dem Nationalvermögen entzogen und für eigene Zwecke verwendet, was bei der Konzentration aller Kräfte der Nation heute nicht mehr geduldet werden kann.“

Besonders auch die „angeschlossenen“ westlichen Reichsgebiete Luxemburg und Elsass erlebten einen wahren Klostersturm. So schreibt Bischof Bornewasser von Trier in einer eine Protestnote an das Reichsinnenministerium vom 20. Mai 1941: „In Luxemburg wurde sämtliche Priesterorden aufgehoben und des Landes verwiesen. (…) Von den weiblichen Ordensgenossenschaften wurden alle Klöster, die das beschauliche Leben pflegen, aufgehoben.“

Die Ausweisung der Luxemburger Schwestern, die in die benachbarte Diözese Trier verbracht wurden, erregte unter den dortigen Katholiken großes Aufsehen: die Frage „Was geht in Luxemburg vor?“ kursierte unter den Leuten.

Anscheinend sollte solches Aufsehen in Zukunft vermieden werden, da die Klosteraufhebungen im Elsass im Jahre 1943 detaillierter geplant wurden. So hieß es in einem Schreiben des „Stillhaltekommissars für das Organisationswesen im Elsass“ mit dem Betreff „Aktion des Stillhaltekommissars gegen Klöster und Kongregationen im Elsass“: „Sonntag, den 11. Juli, werden 23 Klöster im Elsass (beschauliche Orden) vom SD besetzt. der SD sorgt dafür, dass die Insassen der Klöster die Bevölkerung nicht aufwiegeln können und dass am Montag gleich nach Sonnenaufgang per Omnibus die in Frage kommenden Ordensleute an weit entfernte Bahnhöfe mit Schnellzugsverbindungen verbracht werden.“ Auch sollten bereits „in Klosteraktionen bewanderte“ Gaurevisoren an der Aktion teilnehmen da die Aktion „gegen die Klöster sonst eine blamable Angelegenheit werden muss“. Diese Revisoren hatten die Aufgabe, die Bargeld-, Wertpapier- und Viehbestände zu erfassen und erstere unter „behördlichen Verschluss“ zu bringen. Als Grund für die Erfassung wird angegeben, dass die Ordensleute in Lothringen und Luxemburg im Rahmen der Auflösung Vieh, landwirtschaftliches Gerät und Vorräte an die Bevölkerung verschenkt hatten. Als treibende Kraft hinter der Klosteraufhebung wird Martin Bormann genannt, durch den der Befehl zur Auflösung „zur vordringlichen Durchführung gegeben worden“ war.

Doch sollte dieser „streng geheime Plan“ durch einen Informanten vereitelt werden, der ihn bei den kirchlichen Behörden zur Anzeige brachte. Der Erzbischof von Freiburg schickte darauf an ein Dutzend Reichsorgane Telegramme, in denen er mitteilte, dass er genaue Kenntnis über die geplanten Auflösungen hatte. Noch Wochen wurde Spitzel durch das Elsass und Baden geschickt, um die für den Verrat verantwortlichen Personen zu fassen.


(Quelle: Neuhäusler, Johann: Kreuz und Hakenkreuz, Verlag Katholische Kirche Bayerns, München, 1946, S. 148–159)